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Das Stadtgespräch Ausgabe Dezember 2020

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Mein Rheda-Wiedenbrück und Das Stadtgespräch. Stadtmagazin für Rheda-Wiedenbrück Dezember 2020

seit 1998 Telefon: 54822

seit 1998 Telefon: 54822 Verhältnis. Allerdings ist das keineswegs eine solche Schwarz-weiß-Geschichte gewesen, wie es in Me-too- Zeiten oftmals den Anschein hat. Vielmehr hat sie selbst noch immer Kontakt zu dem ehemaligen Lehrer, der vor zwanzig Jahren dreimal so alt war wie die damals Fünfzehnjährige. Die Erinnerungen an die Affäre erregen sie noch heute. Doch richtig auseinandergesetzt hat sich Vanessa nie mit ihrer Vergangenheit. Das tut sie nun, nimmt dabei alles unter die Lupe und ist erschreckend ehrlich sich selbst gegenüber. Und wie Vladimir Nabokovs »Lolita« von 1955 bietet auch dieser ein ganzes Menschenleben später geschriebene Roman keine Gewissheiten und kann nicht zuletzt auf Grund seiner Widersprüche durchaus verstören. Dabei schafft es Russell stets, ihre Leser in den Bann zu ziehen, denn nur schwer kann man das 446-Seiten starke Werk zur Seite legen, zu sehr will man wissen, wie die Geschichte mit Vanessa und Strane gelaufen ist und vor allem wie sie weitergeht. Der New York Times-Bestseller ist bei C.Bertelsmann als Hardcover erschienen, 20 Euro. Rydahl & Kazinski »Die tote Meerjungfrau« Wo wir schon bei ungewöhnlichen Büchern sind, führt kein Weg an diesem Buch vorbei. Ungewöhnlich ist keinesfalls, dass Skandinavier einen spannenden Krimi schreiben, der durchaus auch brutale Szenen enthält. Auch eigentümliche Ermittler sind ja nun nicht gerade selten in dem Genre, das in den eigentlich recht friedlichen, ja vielleicht sogar im Grunde langweiligen Ländern Nordeuropas einen Kontrapunkt setzt. Und auch historisch wird es schon mal in den skandinavischen Krimis. Doch dass der dänische Nationaldichter Hans Christian Andersen zur Hauptfigur, ja zum Ermittler wird, das ist dann doch ungewöhnlich. Kopenhagen 1834: Der nahezu krankhaft schüchterne Hans Christian Andersen träumt davon, als Dichter berühmt zu werden. Stattdessen wird er eher berüchtigt, denn er wird als dringend tatverdächtigt verhaftet und zwar wegen Mordes. Eine junge Prostituierte, bei der er am Vorabend gesehen worden war, wird tot aus dem dreckigen Wasser des Kanals gezogen. Dass er nur bei der jungen Frau war, um Scherenschnitte anzufertigen, interessiert niemanden. Zwar wird der Dichter auf Bitten eines Mäzens aus dem Gefängnis, in dem für heute unvorstellbare Verhältnisse herrschen, zunächst auf freien Fuß gesetzt, doch ihm bleiben nur drei Tage, seine Unschuld zu beweisen. Ausgerechnet mit der Hilfe von Molly, der Schwester der Ermordeten, macht Andersen sich auf die Suche nach dem wahren Mörder und findet heraus, dass es offenbar ein weiteres Opfer gibt. Gemeinsam sind Andersen, der Dinge sieht, die andere nicht sehen, aber für den Alltag völlig ungeeignet ist, und Molly, die zwar nicht einmal lesen kann, aber dennoch schlau ist und sich in der Welt instinktiv zurechtfindet, einer ungeheuerlichen Geschichte auf der Spur. Und beim Lösen des Rätsels, wer denn tatsächlich für die Morde verantwortlich ist, führen sie die Leser durch ein Kopenhagen, das heute doch so proper ist. Denn kurz nach den Napoleonischen Kriegen, in denen Dänemark zuerst mit, dann gegen die Franzosen kämpfte und in deren Folge Norwegen für die Dänen verloren ging, sieht es schlecht aus in der Stadt. Beißende Armut kombiniert mit schreiender sozialer Ungerechtigkeit finden vor allem in der Hauptstadt statt, die nicht viel besser als eine stinkende Kloake ist. Entsprechend drastisch ist manche Szene des sehr lesenswerten Romans. Verfasst haben diesen Krimi der Extraklasse drei Personen, nämlich Erfolgsautor Thomas Rydahl und das Autorenduo, das sich A. J. Kazinski nennt. Das Pseudonym steht für Anders Rønnow Klarlund und Jacob Weinreich, deren Romane in 20 Sprachen übersetzt sind. Als zusätzliches Schmankerl enthält der Krimi noch jede Menge Anspielungen auf das Leben des großen seltsamen Dichters Andersen. Erschienen als Paperback bei Droemer, 445 Seiten, 14,99 Euro. 46 Das Stadtgespräch

Alte Literatur wiederentdecktt Georges Manolescu »Fürst Lahovary – Mein abenteuerliches Leben als Hochstapler« Thomas Mann und Karl May wussten mit dem Namen Georges Manolescu noch einiges anzufangen. Kein Wunder, denn der Mann war Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts berühmt und auch ein wenig berüchtigt, galt er doch als König der Diebe. Doch der 1870 in Rumänien geborene Manolescu war kein gewöhnlicher Dieb, sondern ein Hochstapler der Meisterklasse. Und zum Hochstapeln braucht es immer zwei. Zum einen muss der Hochstapler die Voraussetzungen zum Hochstapeln erfüllen und sich der Psychologie und der Technik vollkommen bewusst st sein. Zum anderen muss da natürlich jemand sein, der ihm den Schwindel glaubt, und zwar gerne glaubt, weil er sich durch den Kontakt mit offenbar hoch gestellten Persönlichkeiten selbst erhöht sieht. Und wenn dann ein solcher Schwindel auffällt, so ist das Interesse der Menschen groß, die entweder vom Schwindel fasziniert sind oder aber den Beschwindelten mit Häme betrachten. Dem deutschsprachigen Publikum machte der Verleger Paul Langenscheidt die in Französisch geschriebene Lebensgeschichte des angeblichen Fürsten bekannt, der für seine Schwindeleien lange Jahre im Gefängnis und in Deutschland sogar im Irrenhaus gesessen hatte. Die Übersetzung wurde ein so großer Erfolg, dass Langenscheidt Karl May überreden wollte, anhand von Aufzeichnungen Manolescus einen zweiten Teil der Lebensgeschichte zu schreiben. Karl May, der selbst wegen Hochstapelei gesessen hatte, lehnte ab. Thomas Mann dagegen ließ einige Elemente des selbst ernannten Fürsten in seinen Felix Krull und dessen amüsante Hochstaplerbekenntnisse einfließen. Doch auch ohne den wirklich spannenden Hintergrund zu kennen, lohnt die Lektüre von »Fürst Lahovary« und liest sie sich doch spannender als die meisten Romane. Die Neuausgabe von Manesse, ist die erste originalgetreue seit über hundert Jahren und vereint beide Bestsellerbände des Jahres 1905, die als »Ein Fürst der Diebe« und »Gescheitert – Aus dem Seelenleben eines Verbrechers«. Die Geschichte beginnt mit dem Dreizehnjährigen, der sich als Rumäne in Istanbul ohne Geld durchschlagen muss. Doch nicht nur sein Sprachentalent, sondern auch sein gutes Aussehen, sein charmantes Wesen, seine Geistesgegenwart, seine mit der Zeit geschliffenen Manieren und jede Menge Chuzpe führen ihn zum Erfolg. Noch dazu belastet ihn sein Gewissen so gut wie gar nicht. Auch lässt er sich durch Rückschläge nicht entmutigen. Vielmehr spornen sie ihn zu immer dreisteren Taten so lange an, bis er als Fürst Lahovary die Schönen und Reichen betört. Doch immerhin zieht er manchmal Grenzen, als er zum Beispiel die Chance hat, eine reiche Erbin zu heiraten, eine »schief gewachsene und bleichsüchtige« junge Frau, gibt er an, dass er es nicht über das Herz gebracht hätte, »mit der armen, kranken, aber herzensguten Kreatur /…/ ein leichtfertiges Spiel zu treiben«. »Fürst Lahovary« bietet reines Lesevergnügen auch und gerade in Zeiten des Promi-Wahns! Erschienen als Hardcover, 448 Seiten, 24 Euro. WEIHNACHTS-WINTERSTRICK Unsere Öffnungszeiten im Dezember: Fr., 04. Dezember von 12:00-18:30 Uhr Sa., 05. Dezember von 09:30-14:00 Uhr Sa., 19. Dezember von 09:30-14:00 Uhr strick.ag 4.0 strick.ag 4.0 Wasserstraße 34 - 33378 Rheda-Wiedenbrück 05242/9314 221 - info@strickag.com Das Stadtgespräch 47

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