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Das Stadtgespräch Ausgabe August 2022 auf Mein Rheda-Wiedenbrück

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Das Stadtgespräch Ausgabe August 2022 auf Mein Rheda-Wiedenbrück

Thompson, die aus ihrer

Thompson, die aus ihrer Heimat Schleswig-Holstein stammt. Auf einem für Single-Auswanderer veranstalteten Ball lernt Emma den Holzhändler Lars Jensen kennen. Es kommt wie von Mrs. Thompson vorhergesehen: Die beiden verlie- ben sich und bald hält Jensen um Emmas Hand an. Das wäre auch alles in Ordnung, wenn Emma ihrer Familie nicht verheimlichen müsste, dass Jensen Däne ist. Der Deutsch-Dänische Krieg ist erst wenige Jahre her und die Trauer um die Gefallenen und der Hass auf den Feind noch sehr lebendig. Doch Emma ist, wie wohl auch ihr Vorbild im wirklichen Leben, eine Frau, die ihren Weg auch gegen Konventionen geht. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie die Heimat mit ihren Bräuchen, dem ziellen Essen und dem noch spe- spe- zielleren Humor nicht vermisst. Wie auch in den Romanen zuvor trifft Anne Müller wieder den leicht ironischen Ton, der niemals kaltherzig ist. Ein Buch nicht nur für die Sommerferien am Meer. schienen bei Penguin, Hardcover, 397 Seiten, 20 Er- Euro. Marcus Schwarz »Der Tod im Anflug« Wenn Sie zu denen gehören, die den (Fernseh-) Krimis glauben möchten, dann ist »Der Tod im Anflug« kein Buch für Sie. Und man muss tatsächlich etwas warnen, so ähnlich wie bei den Sachbüchern von Michael Tsokos. Denn nach der Tsokos-Lektüre weiß man einfach, dass die Angehörigen von Mordopfern sich nicht weinend über die gekühlten Opfer in gerichtsmedizinischen Institut werfen. Immerhin könnten die Familienmitglieder Täter sein. Auch liegen die Obduktionssäle nicht im dunklen Keller. Marcus Bauer ist allerdings kein Gerichtsmediziner, sondern studierter Forstwissenschaftler. Außerdem ist er noch forensischer Entomo- loge, also Insektenkundler. Und Jäger ist er auch noch. Was das mit Krimis zu tun hat? Nun, er ist spezialisiert auf Wundballistik, er kennt sich also mit Waffen und Insekten aus, was bei der forensi- schen Untersuchung natürlich von Vorteil ist. Doch zurück zur Warnung. Vielleicht möchte man gar nicht so genau wissen, was so alles im Körper nach dem gewaltsamen Ableben passiert. Aber das ist ausgesprochen spannend. Wenn dann auch noch tatsächliche Fälle erläutert werden, die übrigens alle abgeschlossen sind, dann wird es richtig spannend. Gleich zu Beginn geht es um einen Fall, bei dem ein Rehbock und ein Jäger nebeneinander tot aufgefunden werden. Ein Duell im Wald zwischen Mensch und Tier? Wohl kaum. Der Autor, der in einer Vielzahl von Fällen der Polizei und Staatsanwaltschaft geholfen hat und auch Seminare für Polizisten und Studenten gibt, weiß jede Menge Kurioses zu erzählen. Und das ist weit spannender als der Durchschnittskrimi. Und dümmer wird man bei der Lektüre auch nicht – im Gegenteil, denn es gibt jede Menge wissenschaftliche Erkenntnisse, die den meisten Lesern unbekannt sein dürften. Erschienen bei Droemer, Taschenbuch, 252 Seiten, 16,99 Euro. Wiederentdeckt Tania Blixen »Babettes Gastmahl« »Ich hatte eine Farm in Afrika am Fuß des Ngong-Gebirges«, zählt vermutlich zu den bekanntesten ten ersten Sätzen der Weltliteratur. tur. Spätestens seit der Verfilmung von »Jenseits von Afrika« mit Meryl Streep, Robert Redford und Klaus Maria Brandauer von 1985, der nicht weniger als sieben Oscars gewann, ist auch der Name der Autorin weltbekannt. Doch das ist meist auch alles, was man von der dänischen Autorin, zumindest in Deutschland kennt. Dabei hat die Frau mit den vielen Pseudonymen, die in ihrer Heimat unter ihrem tatsächlichen Namen Karen Blixen und im englischsprachigen Raum auch unter Isak Dinesen bekannt ist, mehr zu bieten als den Erfolgsroman, den sie ein halbes Jahrhundert vor der Verfilmung verfasst hatte. Auch »Babettes Gastmahl« wurde verfilmt, allerdings ohne Hollywood, wobei der dänische Film von 1987 ebenfalls einen Oscar bekam, als bester fremdsprachiger Film. Um die Vorlage zu diesem Streifen soll es hier gehen, denn die gleichnamige Novelle ist tatsäch- lich ein Stück Weltliteratur, wenn sie auch wenig spektakulär ist – oder vielleicht gerade deshalb. Die Erzählung beginnt in etwa wie ein Ingmar-Bergmann-Film. Im Hohen Norden Skandinaviens leben die Pfarrerstöchter Philippa und Mar- tine ein gottesfürchtiges und entsprechend sittenstrenges Leben, das den Sinnesfreuden keineswegs zugetan ist. Aber die Schwestern sind nicht gefühlskalt und leben die Nächstenliebe. So nehmen sie ohne Zögern die Französin Babette, die den politischen Unruhen nach 1871 entfliehen musste, in ihren kargen Haushalt auf. Dort tut sie dann ihren Dienst als schlecht bezahlte Angestellte der Pfarrerstöchter und bereitet tagaus, tagein Brotsuppe und Stockfisch zu. Jahrelang ahnen ihre Herrinnen nicht, welches Talent eigentlich in Babette schlummert. Denn Babette war ehemals die gefeierte Meisterköchin des Pariser Gourmettempels »Café Anglais«. Doch für Schwelgereien und sublime Genüsse hat man im streng protestantischen Norden Norwegens weder das Geld noch irgendetwas im Sinn. Eines Tages jedoch gewinnt Babette in der Lotterie. Sie beschließt, die Gemeinde zu einem echt französischen Festmahl einzuladen. Endlich kann sie beweisen, dass Gaumenfreuden Wunder wirken – und das selbst bei überzeugten Asketen und Kostverächtern. Babette zeigt sich zum ersten Mal als das, was sie ist, nämlich eine echte Künstlerin. Und ihre Kunst spricht selbst bei den unterkühlten Skandinaviern alle Sinne an. Ursprünglich erschien Blixens Erzählung in gekürzter Form auf Englisch. Ulrich Sonnenbergs meisterliche Neuübersetzung ins Deutsche ist die erste seit vielen Jahrzehnten und aus dem dänischen Originaltext. Zusammen mit dem exklusiven und kenntnisreichen Nachwort des norwegischen Schriftstellers Erik Fosnes Hansen bietet die Neuausgabe die ideale Gelegenheit, Blixens bezaubernde Geschichte um eine französische Meisterköchin neu kennenzulernen. Erschienen bei Manesse, leinengebunden, 115 Seiten, 20 Euro. 44 Das Stadtgespräch

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