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Das Stadtgespräch August 2018

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38 TIPPS

38 TIPPS Das Stadtgespräch Mein Tipp als Gesundheitsexperte: Leben Sie so, wie Sie wollen. Selbst bei Pflegebedürftigkeit. Wie Sie leben, soll Ihre Sache bleiben. Auch wenn Sie später Hilfe brauchen. Oder vorbeikommen: DKV Deutsche Krankenversicherung AG Wolfgang Opitz Hauptstr. 2-4 33378 Rheda-Wiedenbrück Ich vertrau der DKV Einfach anrufen: 05242 35095 Bücher zum Humboldt-Jahr Im kommenden Jahr gilt es, den 250. Geburtstag eines wahrhaft großen Europäers zu feiern. Wagemut und Wissbegier, ein feines Beobachtungs- und Differenzierungsvermögen und vor allem die unbändige Lust an immer neuen Begegnungen machten Alexander von Humboldt vor 200 Jahren zu einem epochalen Weltentdecker. Überzeugt davon, dass es keine unterlegenen oder gar minderwertigen Ethnien gebe, war er seinen Zeitgenossen weit voraus. Und selbst im 21. Jahrhundert kommt Alexander von Humboldt als Anwalt einer universellen Humanität wie gerufen. Alexander von Humboldt (1769–1759), deutscher Universalgelehrter und Expeditionsreisender von internationalem Renommee, machte als Pionier diverser naturwissenschaftlicher Fachdisziplinen von sich reden: von der Botanik und Zoologie über die Klimatologie bis hin zur Astronomie. Seit seiner Amerikanischen Forschungsreise 1799-1804 gilt er als wissenschaftlicher Wiederentdecker Amerikas und Mitbegründer der empirisch fundierten Geographie. Doch auch als Ethnologe, Kulturtheoretiker und couragierter Humanist war er seiner Mitwelt weit voraus. »Das Buch der Begegnungen« »Das Buch der Begegnungen«, das die emphatischsten Zeugnisse aus den «Amerikanischen Reisetagebüchern» versammelt, zeigt nicht nur den scharfsinnigen Wissenschaftler, sondern einen warmherzigen Menschen ohne Berührungsängste. Auf seiner Reise in die amerikanischen Tropen von 1799 bis 1804 hielt der preußische Kosmopolit eine Vielzahl exotischer Physiognomien fest und sah die Welt, wie sie vor ihm noch keiner gesehen hatte. Als einer der ersten Europäer überhaupt kritisierte er Kolonialismus, Sklavenhandel und christlichen Bekehrungseifer. Dagegen betonte er die Würde und den kulturellen Reichtum vermeintlich primitiver Völker. Was die Lektüre Humboldts für uns allerdings außerhalb der wirklich hehren Ansichten, des wahren Humanismus‘ lesenswert macht, ist die Tatsache, dass er sich selbst nicht als Superman darstellt. Und das obwohl er zu Lebzeiten durchaus ein Superstar war. Vielmehr berichtet er beispielsweise auch darüber, wie frustrierend und anstrengend seine Reise in den Tropen ist, weil es so schwierig ist, an verlässliche Informationen zu bekommen. Jeder, der einmal in Lateinamerika gereist ist, kennt das Phänomen auch heute noch nur zu gut. Bei Humboldt klingt das als Fazit so: »In Europa, wo mit Geld alles zu erzwingen ist, hat man von diesen Schwierigkeiten keine Vorstellung. In der Tropenwelt kann man nie, was man will«. Herausgeber Ottmar Ette ist Professor für Romanistik an der Universität Potsdam und gehört zu den führenden Experten zu Humboldts Werk. Er leitete das Forschungsprojekt zur Auswertung von Humboldts Amerikanischen Reisetagebüchern, was an sich schon ein gigantisches Unternehmen war, denn die akribischen Aufzeichnungen umfassen 4.500 Seiten. Der wunderschön gemachte Band »Das Buch der Begegnungen« ist 393 Seiten stark und enthält Originalzeichnungen Humboldts sowie historische Landkarten und Zeittafeln. Das leinengebundene Buch ist erschienen bei Manesse, Kostenpunkt für dieses Schmuckstück 45 Euro. »Der Preuße und die neuen Welten« »Alexander von Humboldt ist 57 Jahre alt, er ist weltberühmt und pleite und muss nach Berlin zurück«. So beginnt Rüdiger Schapers Biographie des großen Universalgelehrten, die einen neuen Blick auf diese welthistorische Figur gewährt. Denn aus der Perspektive der letzten Lebensjahrzehnte, die Humboldt nach seinen Entdeckerjahren in Übersee nun weitgehend in der ungeliebten preußischen Heimat verbringt, lässt Schaper dieses Forscherleben Revue passieren. Er widmet sich dessen Reisen ebenso wie seiner schillernden Persönlichkeit und spürt dabei auch dem preußischen Erbe nach, das ihn zeitlebens begleitet hat. Und hier, in der preußischen Heimat, zieht Humboldt Bilanz. Hier wird er Geist und Materie, Natur und Geschichte, Wissenschaft und Kunst und die eigenen Reiseabenteuer in ein universelles System überführen. Dabei sieht es zunächst gar nicht danach aus, als würde der kleine Bruder von Wilhelm von Humboldt im späteren Leben Bedeutendes leisten können. Vielmehr gilt der Junge als Hypochonder, als lust- und kraftloser Junge. Doch schon mit 19 entwickelt der privat beschulte junge Mann

TIPPS 39 Ideen zur nachhaltigen Landwirtschaft, die sich erst heute, nach über 200 Jahren, so allmählich im Bewusstsein der Menschen festzusetzen beginnen. Auch sieht Humboldt schon mit zwanzig die Notwendigkeit zum globalen Handeln. Geschickt lässt der Biograph Rüdiger Schaper immer wieder Humboldt selbst zu Wort kommen. Und dann erkennt der Leser den Menschen, der natürlich auch Kind seiner Zeit ist. Und an einigen Stellen ginge es dem Leser heute genauso wie Humboldt damals. Als Beispiel mag die Szene aus seiner Reise nach Südamerika gelten, wo er fassungslos beschreibt, wie die ansonsten so mitfühlenden Cariben, wie er das Naturvolk am Orinoco nennt, mit Mitmenschen in Gefahr umgehen: »scheint der Gefährte dem Tode nahe (durch Tiger, Crocodil, vor Krankheit sterbend) nun, so ist er nicht mehr Glied dieser Gesellschaft, er gehört dem Trixitrixi /Teufel/, keine Hülfe, kein Mitleid, keine Klagen!« Erschienen bei Siedler, 285 Seiten, mehr als 30 Abbildungen, 20 Euro. WIEDERENTDECKT: SINCLAIR LEWIS »Main Street« gen, deren Einwohner, so merkt sie rasch, völlig anders ticken als sie. Um keinen Preis wollen sie von Vorurteilen abrücken und mit neuen Ideen beglückt werden. Im Gegenteil: Wer an ihren tief verwurzelten Überzeugungen rüttelt, kann sein blaues Wunder erleben. So entspinnt sich ein Kampf zwischen zwei konträren Weltbildern – urbane Liberalität vs. rustikales Hinterwäldlertum. Dass Letzteres nicht so einfach zu überwinden ist, sondern böse zurückschlägt, wenn es sich bedroht fühlt, lässt sich an der USA der Gegenwart ebenso studieren wie an diesem turbulenten, un- Kann ein hundertjähriges Buch erklären, warum Amerikaner einen orangenen senilen Clown wählen und ihn auch nach seiner Wahl gewähren lassen? Ich denke, genau das geht, vorausgesetzt der Autor heißt Sinclair Lewis. Lewis (1885-1951), geboren in einer Kleinstadt in Minnesota, studierte er in Yale und arbeitete als Journalist und Lektor in New York, San Francisco und Washington. Seit dem Erfolg seines Romans »Main Street«, der 1920 zuerst erschien, konnte er von der Schriftstellerei leben. 1926 erregte er großes Aufsehen mit seiner Ablehnung des Pulitzerpreises, der ihm für seinen Roman »Arrowsmith« zuerkannt worden war. 1930 erhielt er als erster US-Amerikaner vor allem für sein wichtigstes Werk »Babbit« den Literaturnobelpreis. Die Handlung von »Main Street« ist recht schnell erzählt: Carol, eine junge Frau aus Neuengland, hat es in ein Provinznest verschlaterhaltsamen Roman. Obwohl Sinclair Lewis längst ein moderner Klassiker ist, dürfte er bei vielen Amerikanern wenig bliebt sein. Allein sein Umgang mit amerikanischen Mythen ist durch Spott geprägt. Gleich zu Anfang des Romans heißt es: »Die Pionierzeit, in der Mädels Sonnenhüte trugen und man Bären auf einer Waldlichtung mit dem Beil erschlug, liegt inzwischen ferner als Camelot«. Denn wer will schon seiner Großartigkeit beraubt werden? Da tröstet es nur, dass es auch heute noch viele kritische Geister in den USA gibt, die sogar Bücher kaufen und nicht der Meinung von Carols Ehemann sind: »Ein Buch war ein Buch, und wenn es mehrere Tausend griffbereit und kostenlos in der Bibliothek gab, warum zum Kuckuck sollte man dann gutes Geld dafür ausgeben?«. Die insgesamt mit Anmerkungen genau tausend Seiten des gerade bei Manesse erschienen Romans kosten übrigens 28 Euro.

Das Stadtgespräch - Magazin für Rheda - Wiedenbrück

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