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Das Stadtgespräch April 2019

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46 Das

46 Das Stadtgespräch Schön wie auf den Seychellen AUF INS (STEUER)PARADIES Die Britischen Jungferninseln Was haben die britische Karibikinsel Tortola und das Kölner Stadtwappen gemein? Auf den ersten Blick gar nichts. Aber wie so oft lohnt ein Nachschauen in der Geschichte. Fangen wir am Ende des 15. Jahrhunderts an. Christoph Columbus entdeckte 1493 eine Inselgruppe in der Karibik, die er bekanntlich für Inseln im Westen Indiens hielt – daher spricht man noch heute von den Westindischen Inseln. Gut, da hatte er sich halt um rund 20.000 Kilometer vertan, aber mit den Zahlen war das damals so eine Sache, wie wir gleich noch sehen werden. Columbus nannte das heutige Tortola jedenfalls Santa Ana und die Inselgruppe die Jungferninseln. Dabei bezog er sich auf die Heilige Ursula, die im vierten Jahrhundert den Märtyrertod starb. Genauer gesagt erlegte der finstere – und selbstverständlich heidnische – Hunnenkönig sie mit einem Pfeil bei der Belagerung von Köln. Zusammen mit elftausend weiteren Jungfrauen. Gut, bei genauer Zählung waren es dann inklusive Ursula elf Jungfrauen, aber das ist ja auch noch schlimm genug. Die elf schwarzen Flammen oder Tropfen auf dem Kölner Stadtwappen, die Kölner sprechen auch von den Tränen, erinnern an die Märtyrerin und ihre Jungfrauen. Genauso wie der Name Virgin Islands – Jungferninseln. Der tatsächliche Name der Hauptinsel Tortola hat allerdings nichts mit Heiligen zu tun. Und nicht einmal von den Turteltauben kommt der Name, denn das bedeutet tórtola auf Spanisch. Nein, es ist viel banaler, denn die Holländer nannten die Insel Ter Tholen, was an das zeeländische Tholen erinnert. Nach der Entdeckung des Eilands, das übrigens seit anderthalb Tausend Jahren schon von südamerikanischen Völkern der Arawak und später der Kariben besiedelt war, hatten die Spanier recht wenig Interesse daran, hier permanent zu siedeln. Die Holländer dagegen ließen sich hier gerne nieder. Jost van Dyke ließ 1620 ein Fort errichten. Der gute Mann war nicht überall auf der Welt besonders beliebt, befehligte er doch Piratenschiffe. Heute ist eine der vielen Inseln nach ihm benannt. Gedeckt wurde er durch

47 Farben vertreiben englische Wintertristesse. die Niederländische Westindische Kompanie, ein Global Player, der mehr Geld und Macht als die meisten Nationalstaaten der damaligen Zeit hatte. Die Kompanie gründete auch Neu Amsterdam, das heutige New York. Zeitweise hatte das Unternehmen mehr als 380 Sklavenschiffe. Doch die Kämpfe des 17. Jahrhundert konnte die Weltmacht Nummer eins gewinnen, Tortola und die gesamten Jungferninseln wurden 1672 britisch. Wie überall in der Karibik bauten die Briten hier Zuckerrohr an, mit dem Vermögen verdient wurden. 80 bis 90 Prozent des europäischen Zuckerbedarfs, der erheblich war, wurde von hier gedeckt. 150 Jahre lang schufteten afrikanische Sklaven unter vielfach unvorstellbaren Bedingungen für die Zuckerproduktion. Mitte des 18. Jahrhunderts gab es mehr als 6.000 Sklaven hier. Geld statt Zuckerrohr 1834 schuf die Krone die Sklaverei ab. Mitte des 19. Jahrhunderts brach dann der Zuckerhandel ein, denn wenige Jahrzehnte zuvor baute man in Europa die erste Zuckerrübenfabrik. Die Zuckerrübe setzte sich vor allem durch, weil Napoleons Kontinentalsperre verhinderte, dass englische Schiffe die europäischen Staaten mit dem weißen Gold beliefern konnten. Das beflügelte die Suche nach Alternativen enorm! Die Wirtschaft auf Tortola allerdings dümpelte in der Folge lange vor sich hin, bis dann in den 1960er Jahren das Geldverdienen durch Geldverdienen erfunden wurde. Davon leben die britischen Virgin Islands noch heute sehr gut. Die Europäer, allen voran die Briten, prangern zwar Steuerparadiese wie Samoa oder die Mongolei mächtig an und setzten sie noch 2017 zusammen mit 15 weiteren Ländern auf eine Schwarze Liste. 2013 gab es sogar einen G-20-Gipfel, der solche Länder in aller Schärfe verurteilte. Gebiete, die anderen Staaten die Abgaben entziehen, sind auf das Schärfste zu verurteilen. Es sei denn, es handelt sich dabei um eigene Gebiete. Das Geschäftsmodel der Britischen Jungferninseln ist jedenfalls überzeugend: Es gibt weder Einkommens-, Gewinn- noch Vermögens- oder Mehrwertsteuern. Dafür gibt es Gebühren, die aber ausgesprochen moderat sind. Doch auch wenn man pro Firma nur ein paar hundert Dollar einnimmt – praktischer Weise ist der amerikanische Dollar das Zahlungsmittel auf der britischen Karibik-Insel – kommt dabei immer noch eine beachtliche Summe zusammen, wenn die Zahl der ansässigen Firmen 25 Mal so Wir sind Dabei! Tag der Elektromobilität Samstag 27. April Bahnhofsplatz Rheda 10 bis 18 Uhr Herzebrocker Str. 12 Rheda-Wiedenbrück Tel: (05242) 431 61 Fax: (05242) 49769

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