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Das Stadtgespräch April 2017

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22 Das

22 Das Stadtgespräch GROSSE STILLE NACH DER RÜCKKEHR Dramatische Kluft zwischen Arm und Reich (Kem) Wieder zu Hause angekommen ist es für den Anästhesisten und Intensivmediziner Dr. Edgardo Mallari Navarro in der Stadt und auf den Straßen wohltuend ruhig, sauber und gefühlt fast leer. Eine echte Herausforderung war für ihn aber der Aufenthalt in der herrlich gelegenen philippinischen Hafenstadt Cebu: Der ständige Lärm des äußerst pulsierenden Straßenverkehrs, die daraus resultierenden langen Anfahrtszeiten, die gesamte Geräuschkulisse der riesigen Stadt, die hohe Smogbelastung sowie überall liegender Staub setzten ihm zu. Nächtliche tropische Temperaturen von 30 Grad sorgten für zusätzliche Anstrengung. Eine Woche lang hat der vielen Menschen von seiner Tätigkeit im St. Vinzenz Hospital bekannte 70-Jährige in der zweitgrößten Metropole des Vielvölkerstaates ehrenamtlich ärztliche Hilfe geleistet. Ihn zieht es auch Jahre nach dem Eintritt in den Ruhestand immer wieder in sein Geburtsland, um den Ärmsten der Armen zu helfen. Ende Januar 2017 reiste er bereits zum neunzehnten Mal in das Land der 7107 Inseln, um dort alleine oder mit befreundeten Ärzten aus den USA, Deutschland und Kanada Kinder und Jugendliche mit Lippen- und Gaumenspaltung zu operieren. Diesmal traf er sich mit seinen Kollegen von der amerikanischen Gemeinschaft der auf den Philippinen geborenen Mediziner »Society of Philippine Surgions in America«, die ihre ärztliche Hilfe im Rahmen der Stiftung »Philippine Charity« ebenfalls ehrenamtlich einbringen, im südlichen Teil des Inselstaates. Die Direktorin Sr. Zeta Caridad Rivero führte ihn nach der Begrüßung in das Foyer des Perpetual Succour Hospital, wo 25 Familien mit ihren Kindern warteten: »Diese Menschen warten schon seit Tagen auf Sie. Ihre Ankunft wurde durch das Radio und in der Zeitung auf der Insel Cebu bekannt gemacht«. Alle schauten Dr. Navarro erwartungsvoll an. Es war zum Erbarmen, diese Menschen zu sehen. Sie alle hatten in ihrer bitteren Armut ein Kind, das auch noch dieses schreckliche Leiden hatte: Bei einer vollständigen Lippen- Kiefer-Gaumenspaltung oder einer isolierten Gaumenspaltung können u. a. Sprechprobleme oder Beeinträchtigungen bei der Nasenatmung auftreten. Zudem kommt es durch die sichtbare Entstellung im Gesicht zu sozialer Ausgrenzung. Eine gesetzliche Krankenversicherung gibt es nicht und die Ärmsten der Armen werden niemals über so viel Geld verfügen, dass sie eine Operation ihrer Kinder bezahlen könnten. Nach der Begrüßung untersuchte Dr. Navarro die Kinder. Dazu standen ihm Mitarbeiter des Krankenhauses zur Seite. Dann vergab einen Operationstermin nach dem anderen und fing er unmittelbar an zu operieren. Das Perpetual Succour Hospital stellte ihm den Operationssaal und das medizinische Equipment zur Verfügung. Sämtliche Verbrauchsgegenstände und die anschließende Patientenbetreuung finanzierte er selbst durch seine eigens für diesen Zweck gegründete Stiftung. In sie fließt auch ein großer Teil des Salärs, das er nach der Zurruhesetzung als Ho- Wohnen ist einfach. Vortrag: 14:00 Uhr „Erben und Vererben“ Referentin: Sabine Speckmann, Rechtsanwältin Vortrag: 15:00 Uhr „Der Immobilien-Markt im Umbruch – Wohin geht die Reise?“ Diskussionsrunde mit Simone Bille, Geschäftsführerin der SKW Haus und Grund Immobilien-Messe 2. April 2017 Sonntag: 11:00 – 17:00 Uhr Kreissparkasse Wiedenbrück, Wasserstraße 12 33378 Rheda-Wiedenbrück

23 Das Lächeln der Eltern und Kinder war der größte Dank. norararzt an mehreren Kliniken in Westfalen bezieht. Vor ihm lag eine anstrengende Woche. Er operierte an jedem Tag von 8 bis 18 Uhr, manchmal länger, um die komplexen Missbildungen zu korrigieren. Das Lächeln der Kinder und ihrer Angehörigen nach der Operation wog die Anstrengungen wieder auf. Und so war er nach der Woche zwar geschafft, aber dennoch sehr zufrieden. Nach Feierabend ging es zum »Betania Retreat House«, wo er vor dem Schlafengehen Zeit fand mit seinen amerikanischen Kollegen Persönliches und Fachliches auszutauschen. Seine auf den Philippinen wohnende Cousine hatte ihnen das beschauliche und liebevoll geführte Domizil besorgt. Trotz seiner Vertrautheit mit den Philippinen – der letzte Aufenthaltsort auf der Insel Cebu hat Spuren in seiner Seele hinterlassen: »Ich bin hart im Nehmen, kenne die Situation auf den Philippinen, aber das war das Schlimmste, was ich je gesehen habe. So viel Not, so viel Elend!«, blickt er zurück. In Cebu City haben sich riesige Müllhalden gebildet, in Hüttendörfern drum herum leben die Menschen von der Müllsortierung. Durch die Verbrennung des Mülls und dem Kochen am offenen Feuer leiden sie an chronischen Krankheiten. Eine medizinische Behandlung können sich die wenigsten leisten. Besonders wenn diese Gebiete fast unmittelbar an gerade neu eröffnete Einkaufs-Malls heranreichen, wird die prekäre Kluft zwischen Arm und Reich dramatisch deutlich. Obwohl diese Zustände für den 70-Jährigen nur schwer zu ertragen waren, kehrte er erfüllt zurück. »Jedes einzelne Kind zählt. Wenn ich einem Menschen helfen kann, hat sich der Einsatz gelohnt«, so Dr. Navarro. Er nimmt den chirurgischen Einsatz auf Cebu zum Anlass, Dank auszudrücken: »Ein ›Vergelt’s Gott‹ allen Spendern und allen die mich unterstützen«. Und in die Zukunft gerichtet: »Ich bitte Sie um weitere Unterstützung bei meiner humanitären Hilfe, damit ich auch im nächsten Jahr wieder möglichst vielen Kindern mit einer Lippen- und Gaumenspaltung helfen kann«. Wer die selbstlose Arbeit des Arztes unterstützen möchte, kann das für die medizinischen Verbrauchsmittel benötigte Geld auf das Spendenkonto Bank im Bistum Essen, IBAN: DE31 3606 0295 0020 1580 18 BIC: GENODED1BBE – Stiftung »Navarro-Mallari (Herz für Kinder)«, Steuer-Nr. 312-5718- 1075 FA Coesfeld, überweisen.

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