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Stadtgespräch Februar 2016

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16 Das

16 Das Stadtgespräch HOCHWASSERSCHUTZ RHEDA-WIEDENBRÜCK Wie sicher ist die Doppelstadt jetzt vor einem Hochwasser? Die Stadt schloss die Errichtung von Schutzmauern und -wällen entlang der Ems nach einer dreijährigen Bauzeit von 2012 bis 2015 im Monat Dezember 2015 ab. Die gebauten Vorrichtungen sollen Rheda-Wiedenbrück in Zukunft bei Hochwasser vor den Fluten der Ems schützen. Wir nahmen das Ende der Bauarbeiten zum Anlass für ein abschließendes Gespräch mit dem verantwortlichen städtischen Mitarbeiter, Ing. Michael Duhme, Fachbereichsleiter Tiefbau. Welches Ziel hatten die Hochwasserschutzarbeiten? Der vorbeugende Hochwasserschutz entlang der Ems wurde auf Empfehlung des Landes und im Sinne der Fürsorgepflicht gegenüber den betroffenen Bürgern von den politischen Gremien beschlossen. Ziel der Hochwasserschutzarbeiten ist die Sicherung von gefährdeten Flächen im Stadtgebiet. Kann die Ems jetzt nicht mehr über das Ufer treten – wie beispielsweise in den Jahren 1946 und 2002/3 „Silvesterhochwasser“ Die Frage ist nicht eindeutig zu beantworten. Natürlich wird die Ems auch zukünftig über das Ufer treten. Aber die Häuser die durch die Anlagen geschützt werden, werden nicht mehr überflutet. Ein Hochwasserereignis wie 2002/2003 wird zukünftig nicht mehr stattfinden. Denn jedes Hochwasserereignis ist immer abhängig von der Heftigkeit des Regenereignisses im Einzugsgebiet und von der Größe des Einzugsgebiets des Gewässers sowie von der Jahreszeit und von der Wassersättigung des Bodens. Das Überschwemmungsgebiet wird von der Höhe des ans Ufer grenzenden Geländes bestimmt. Bewertet wird das Hochwasser nach der Wahrscheinlichkeit mit der es auftritt. Die Hochwasserschutzanlagen wurden für ein Ereignis bemessen, dass einmal in hundert Jahren auftritt. An dieser Stelle möchte ich noch etwas Grundsätzliches zum Ablauf von Hochwasserereignissen sagen. Die Möglichkeit, dass Starkregenereignisse und Hochwasserereignisse zusammen fallen, ist sehr gering. Denn infolge des Einzugsgebietes der Ems führt ein starkes Regenereignis im Oberlauf oder in den Seitengewässern oder auch über das gesamte Gebiet nicht direkt zu einem Hochwasser im Unterlauf der Ems. Das Wasser braucht nämlich eine ganze Weile bis es im Hauptstrom in einer Art Welle ankommt, und zwar zeitverzögert zum Regen. Zuvor wird das Wasser in den Nebenläufen gesammelt. Der Niederschlag im Unterlauf ist dann schon längst abgeflossen. Ab welchem Pegelstand würde die Ems die Schutzvorrichtungen überfluten? Das Land NRW gliedert die Hochwassergefährdung in drei Stufen (Informationsstufen), bei denen die Behörden tätig werden. Für den Pegel Rheda beginnt die Gefährdung bei einem Pegelstand von 3,90 m, die zweite Stufe wird bei 4,35 m erreicht und die Letzte bei 5,00 m. Die Pegelnullhöhe beträgt 65,27 m über NN. Ich gehe davon aus, dass wegen der einkalkulierten Sicherheiten auch ein außergewöhnliches Ereignis die Schutzeinrichtungen nicht übersteigen werden. Kurz möchte ich folgenden Daten zur Hydrologie nennen: Einzugsgebietsgröße [ km²] = 342 km²; Abfluss (mittleres Niedrigwasserabfluss MNQ) = 0,4 m³/s (~ 1 l/s. km²); Abfluss (Mittelwasserabfluss MQ) = 3,3 m³/s (~ 10 l/s.km²); Abfluss (Hochwasserabfluss HQ100) = 52,4 m³/s Reicht die Höhe der Schutzvorrichtungen auch dann, wenn die Schleuse der Steinhorster Beckens geöffnet wird und parallel dazu der Hamelbach Hochwasser führt? Der Einfluss des Steinhorster Beckens auf den Wasserstand der

17 Ing. Michael Duhme, Fachbereichsleiter Tiefbau und sein Vertreter, Ing. Timo Kohl Ems ist im Hinblick auf die große Distanz zw. Rheda und dem Becken nicht sehr groß. Wenn alle Schleusen offen wären, würde der Wasserstand vermutlich nur um wenige cm steigen. Ich denke, dass die Schutzeinrichtungen auch dieses Wasser noch auffängt. Sowohl der Eusternbach als auch der Hamelbach sind beim Jahrhunderthochwasser berücksichtigt. Gibt es neben der Stadt eine weitere Stelle, die die Sicherheit von Rheda-Wiedenbrück vor einem Hochwasser garantiert? Neben dem Steinhorster Becken wurden vor Rietberg im Umfeld der Landesgartenschau weitere Hochwasserschutzvorkehrungen durch die untere Wasserbehörde des Kreises Gütersloh durchgeführt. Wie hoch war das Investitionsvolumen für die Hochwasserschutzmaßnahmen? Zur Förderung beim Land wurde eine Summe von 2 Mio. Euro angemeldet. Die Ausgaben haben die Fördersumme noch nicht erreicht. Wie viele Meter lang sind die Schutzmauern und die Erdwälle entlang der Ems insgesamt? Hochwasserschutzmauern aus Beton und Naturstein ca. 1300 m und Deiche ca. 1100 m. Gibt es neben dem Rosengarten weitere Bereiche im Stadtgebiet von Rheda-Wiedenbrück, die nicht über Hochwasserschutzvorrichtungen verfügen? Es gibt Gebäude und Flächen entlang der Ems, die durch die Anlagen nicht geschützt werden. Die Eigentümer der Objekte müssen in Eigenverantwortung den Hochwasserschutz sicherstellen. Hierzu gehört u. a. das Seecafe. Bautechnisch war es in diesen Fällen zu aufwendig den Hochwasserschutz zu gewährleisten. Wer ist bei Hochwasser dafür verantwortlich, dass die Lücken in den Schutzvorrichtungen rechtzeitig geschlossen werden? Die Schutzeinrichtungen werden im Falle eines Hochwasserereignisses in Abstimmung mit der Feuerwehr und dem Baubetriebshof geschlossen. Trifft es zu, dass bei der Bahnüberführung Hamm-Minden zu keiner Zeit der Bau von Hochwasserschutzvorrichtungen (z. B. Rückbau des befestigten schrägen Ufers) geplant war? Die Schutzeinrichtungen enden an der Bahnüberführung i. H. der Ems. Im weiteren Verlauf der Ems waren aus Sicht der Gutachter Schutzeinrichtungen nicht erforderlich. Die in diesen Bereich liegenden landwirtschaftlichen Flächen sollten als Retentionsflächen genutzt werden, auf denen sich das Wasser ausbreiten sollte. Bei Hochwasser erreichen die Wassermassen der Ems die Bahnüberführung nun auf Grund des eingeengten Flussbettes schneller. Schließen Sie, bzw. die Gutachter aus, dass der Bereich der Brücke in diesem Fall einen Rückstau erzeugen lässt (Nadelöhr-Effekt)? Die Frage unterstellt, dass die Planung an dieser Stelle fehlerhaft ist. Der Ablauf eines Hochwasserereignisses ist zugegeben mathematisch sehr komplex. Denn teilweise wurde der Abflussquerschnitt der Ems durch die Hochwasserschutzanlagen eingeengt und teilweise auch aufgeweitet (siehe Westfaliagelände). Da der Durchfluss konstant bleibt, verändert sich durch die Maßnahmen die Fließgeschwindigkeit des Wassers. Der Gutachter hat im Hinblick auf die höhere Fließgeschwindigkeit im Bereich der Bahnunterführung die Gefahr eines Flaschenhalseffektes ausgeschlossen.

Das Stadtgespräch - Magazin für Rheda - Wiedenbrück

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