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Das Stadtgespräch September 2015

Magazin für Rheda-Wiedenbrück

50 seniorenzeitung

50 seniorenzeitung Das Stadtgespräch Auf der Parkbank SIE Weißt du eigentlich, was meine Oma uns Kindern zu sagen pflegte? ER Sicherlich Wichtiges, weil du das sogar bis heute noch behalten hast. SIE »Sage bitte und danke, nimm deine Ellbogen vom Tisch, sprich nicht mit vollem Mund und schau Menschen, mit denen du sprichst, in die Augen!« ER Deine Oma war eine kluge Frau, die wusste, worauf es im Leben ankommt. Es klingt so einfach und fast banal, doch zu wissen, wie man sich benimmt, ist nichts weniger als eine Art Universalschlüssel im Umgang der Menschen miteinander. SIE Erinnerst du dich noch an unseren Besuch bei deiner Cousine Erna, als ihr Enkel bei uns am Kaffeetisch saß, mit den Ellbogen auf dem Tisch und mit vollem Mund sprechend weder bitte noch danke sagen konnte? Es geht uns ja direkt nichts an, und wir haben höflichst über diese schlechten Manieren hinweg geschaut. Aber gestört hat mich das allemal. ER Die vier Benimm-Regeln deiner Oma, besonders die, dass man Menschen, mit denen man spricht, in die Augen schaut, ermöglichen uns, andere Menschen für uns einzunehmen, Kontakte zu knüpfen, Freundschaften zu pflegen und selbstbewusster durchs Leben zu gehen. Sie können uns vor unangenehmen Situationen bewahren und uns ein Gefühl der Sicherheit geben, vielleicht auch sogar ein bisschen glücklicher machen. SIE Leider ist es so, dass nicht nur Kinder von dieser Grundregel weit entfernt leben, weil sie sie von ihren Eltern und Erziehern nicht gelernt haben. Gutes Benehmen verschafft uns Respekt und ist weit davon entfernt, nur einem verstaubten Erziehungsideal zu entsprechen. ER Fangen wir gleich damit an, das in unserer Kindheit Gelernte aufzufrischen: »Kannst du mir bitte ein Stück Kuchen reichen?« Schwimmende Senioren Foto: Rosemarie Kuhn Schwimmer kommen bis ins hohe Alter regelmäßig jede Woche am Dienstag um 16:15 Uhr. Selbst mit Gehhilfen verzichten manche nicht auf die Teilnahme und genießen die Leichtigkeit im Wasser, die alle Muskeln und Gelenke so angenehm entlastet. Gerade für Senioren ist Schwimmen besonders gesund, der Rücken wird gestärkt, ohne dass die Gelenke strapaziert werden, durch den Wasserdruck wird venöses Blut besser zum Herzen transportiert, die Atemhilfsmuskulatur wird beim Schwimmen gestärkt und der Stoffwechseltransport wird verbessert. Wenn am Dienstag die älteren Semester das Schwimmbecken der Kleinschwimmhalle der Matthias- Claudius-Schule (Eingang von der Fröbelstraße aus) bevölkern, manche sich langsam und bedächtig am Rand bewegen, andere zügig ihre Erna und Berta »Gestern hab ich mal wieder mit der Annegret aus unserer alten Klasse telefoniert. Mensch, die dreht sich ja kaum noch aus ihrer Wohnung raus.« Runden schwimmen, und wieder andere in Grüppchen zusammenstehen und von Haus und Garten erzählen, dann ist das die Zeit des Seniorenschwimmens, das seit 1974 von der Caritas St. Johannes in Rheda angeboten wird. Die regelmäßige Bewegung im Wasser, das mit einer Tiefe von 130 cm keine Risiken für unsichere Schwimmer darstellt und das ruhige Miteinander unter Gleichen haben das Angebot bis heute lebendig gehalten. Viele Schwimmerinnen und »Ja, ja, das gibts glaub ich öfter, als man denkt. Hast du ihr von dem inneren Schweinehund erzählt, der uns so gern von allen Tätigkeiten abhält, indem er unser Selbstvertrauen mit ‚Das kannst du doch nicht‘ oder ‚Klappt sowieso nicht‘ untergräbt.« »Ich habs versucht. Ob sie zugehört hat, weiß ich natürlich nicht. Außerdem hab ich sie gefragt, was sie von ihrer Gemeinde weiß und ob die nicht jemanden brauchen, der alte Menschen besucht. Impressum Seniorenzeitung Verantwortlich für den Inhalt ist der Seniorenbeirat der Stadt Rheda-Wiedenbrück. Ständige Mitarbeit: Christa- Maria Bank, Margret Kohler, Vroni Korsmeier, Hans Dieter Wonnemann Koordination: VHS Reckenberg-Ems, Arnold Bergmann

seniorenzeitung 51 ‚Nöh‘, hat sie gesagt, ‚die haben sich überhaupt noch nie um mich gekümmert, warum sollte ich mich jetzt um die kümmern? Und alte Leute mag ich sowieso nicht. Und jetzt, wo ich selbst alt bin, schon erst gar nicht.‘ Und so weiter.« »Hast du ihr gesagt, dass ihre Welt immer kleiner wird je weniger sie unternimmt?« »Ja, aber es hörte sich so an, als ob sie das gar nicht interessiert.« »Ich hab vor kurzem gelesen, dass unser Gehirn Risiken gar nicht gut findet. Es möchte Routine. So ist das vielleicht auch bei ihr. Bloß nichts Unbekanntes.« »Na ja, und dann ist sie ja auch allein. Ich glaube, zu zweit ist man mutiger. Zieht sich auch mal gegenseitig mit, damit es nicht unbedingt immer die gleichen Wege sein müssen, die man geht.« Es ist kein Baum, der nicht zuvor ein Sträuchlein gewesen ist. Streiflicht Da wird überall von Inklusion, also Beteiligung behinderter Menschen am Leben, insbesondere am öffentlichen Leben gesprochen, und was machen die Verwaltungen? Sie bauen ein »Wasserband«, einen Graben, in einen vormals ebenen Platz, wie in Gütersloh, oder sie bauen in Rheda-Wiedenbrück vor eine sanft abfallende Rasenmulde Betonkanten. Da kann man dann in der Dämmerung auch ohne Rollstuhl viel effizienter stürzen. Oder: Für den Antrag des Seniorenbeirats an die Stadtverwaltung in Rheda-Wiedenbrück die Bürgersteigabsenkungen für sehbehinderte Menschen hell anzustreichen, findet sich auch nach 8 Monaten noch kein sichtbares Ergebnis. Zuversicht Wir Menschen verfügen über eine besondere Gabe: die Zuversicht. Wir wissen, dass an trüben Tagen die Sonne sich über den Wolken nur versteckt hält, dass sie aber da ist. Wir wissen, dass der Frühling nur auf ein Zeichen wartet und dass die warmen hellen Tage wiederkommen werden, vielleicht noch nicht morgen, bestimmt aber irgendwann. Wir können uns schon darauf freuen, Pläne schmieden, Trübsal und Resignation vergessen. Wir wissen, dass das, das uns heute bedrückt, morgen vergessen sein wird, dass auf eine schwere Zeit mit Sicherheit auch eine leichte kommen wird. Selbst wenn wir eine Veränderung zum Besseren noch nicht sehen können, gibt uns die Zuversicht die Kraft, weiter zu machen. Hausnotruf Schlodderkappes »Nicht erst auf den Notfall warten, um einen Hausnotruf zu installieren!« Die meisten Menschen haben den Wunsch, so lange und so sicher wie möglich in den eigenen Wänden zu leben, denken oft aber erst an eine solche Lösung, wenn ein Notfall bereits drastisch in einen Lebenslauf eingegriffen hat. Es gibt am Markt mehrere Systeme, die per Mobilsender und Tastendruck Kontakt mit einer Notrufzentrale aufnehmen. Wird ein Alarm ausgelöst, werden je nach Wunsch und Dringlichkeit Angehörige, Nachbarn, Pflegedienste, Ärzte, der Fahr- und Rettungsdienst informiert. Wie das geht, schildert eine Frau wie folgt: »Als ich in meiner Wohnung unglücklich stürzte, war ich froh, mich vorher durch einen Hausnotruf abgesichert zu haben. Ich betätigte den Alarmknopf, teilte der Notrufzentrale mit, was geschehen war, und mir wurde zügig geholfen. Ich weiß nicht, wie lange ich ohne diese Möglichkeit noch hilflos dort gelegen hätte, ohne gefunden zu werden. Seit ich den Hausnotruf habe, fühle ich mich auf einmal besser!« Die monatlichen Kosten stehen in keinem Verhältnis zum eigenen Sicherheitsgefühl und werden in der Regel sogar von der Pflegekasse übernommen. Zutaten für 4 Portionen: 750 g Kartoffeln 1,5 kg Weißkohl 1 Lorbeerblatt Kümmel 100 g magerer Speck 2 Zwiebeln Salz Pfeffer 1 Ring Blutwurst Die Kartoffeln schälen und würfeln. Den geputzten, gewaschenen Weißkohl in Streifen schneiden. Die Kartoffeln und den Kohl abwechselnd in einem Topf einschichten und mit etwa ¾ l Wasser, dem Lorbeerblatt und dem Kümmel gar kochen. Den Speck in schmale Streifen schneiden und in einer Pfanne auslassen. Die in Würfeln geschnittenen Zwiebeln zugeben und glasig braten. Speck und Zwiebeln über den Weißkohl schütten, alles leicht mischen, dann mit Salz und Pfeffer abschmecken. Die Blutwurst in Scheiben schneiden, in einer Pfanne von beiden Seiten anbraten. Den Weißkohl in eine vorgewärmte Schüssel geben, die Blutwurstscheiben darauf legen und das Bratenfett darüber g i e ß e n . Sehr heiß mit Speckkartoffeln servieren. Caritas. menschlich sein muss!

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