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Das Stadtgespräch September 2015

Magazin für Rheda-Wiedenbrück

42 TIPPS

42 TIPPS Das Stadtgespräch ALTE LITERATUR WIEDERENTDECKT: TANIZAKI JUNICHIRO Tagebuch eines alten Narren In seiner Ausgabe vom 21. März 1966 urteilte der Spiegel, dessen Cover Ludwig Erhard und Rainer Barzel zierten, über den Roman des Japaners Tanizaki Junichiro »Zwischen Gehirnblutung und Herzanfall, Nobulon -Spritze und Prostata-Massage darf Tanizakis Ich-Erzähler, 77, nur noch an den Zehen seiner jungen Schwiegertochter lutschen. Daß der Greis weiß, wie unschmackhaft er ist, und daß er sich so beschreibt – kalt, klinisch genau und auch mit Ironie -, macht die gerontologische Romanze nicht angenehmer, aber imponierend.« Damit gab das Magazin ein vergleichsweise noch sehr mildes Urteil über das Alterswerk ab, das viele zu den jugendgefährdenden Schriften zählten. Darunter würde es heute, lange Jahre nach der sexuellen Revolution der 68er-Generation, wohl kaum noch jemand einordnen, sind wir doch längst ganz anderes gewöhnt. Worum geht es also in dem Roman, der vom Manesse Verlag (249 Seiten einschließlich Anmerkungen und Nachwort, 22,95 Euro) zum 50. Todestag Junichiros neu aufgelegt wurde? Im Grunde um etwas, was bei aller Liberalität des vergangenen halben Jahrhunderts noch heute tabuisiert ist, nämlich um das Altern und die Erotik im Alter: Utsugi Tokusuke blickt auf ein ausgefülltes Leben zurück – Wohlstand, eine fürsorgliche Familie, vielfältiger Kunstgenuss. Doch als sein Körper ihn im Stich lässt, reiten ihn mehr und mehr seine sexuellen Obsessionen. Bestechend modern inszeniert Tanizaki Junichir die radikale Beichte eines «perversen» alten Mannes. Angestachelt von seiner Schwiegertochter, verfällt Tokusuke nochmals lustvollen Neigungen. Je dreister sich Satsuko geriert, desto größer das Vergnügen des großbürgerlichen Patriarchen. Soll sich die restliche Familie ruhig empören: Mit sündhaft teuren Geschenken erkauft sich der Alte die libidinösen Gunstbeweise der ehemaligen Revuetänzerin. Als er Satsuko auch noch auf seinem Grabstein verewigen will, scheint die Situation zu kippen. Ist die junge Frau wirklich das egoistische und zugleich honigsüße Biest, das der greise Tokusuke in seinem Tagebuch beschreibt? Tanizaki Junichiro (1886-1965) wurde in Tokio geboren. Beide Eltern stammten aus alten Kaufmannsfamilien. Der hochbegabte Junichiro, der schon in der Schule durch stilistische Glanzleistungen Aufsehen erregt hatte, studierte in Tokio englische und japanische Literatur. Er verließ die Universität jedoch ohne Abschluss und entschied sich für die Schriftstellerlaufbahn. Beeinflusst von Oscar Wilde, Edgar Allan Poe, Charles Baudelaire und seinem Lehrer Nagai Kafu nahm er von Anfang an einen antinaturalistischen Standpunkt ein und wurde zum Bannerträger des Ästhetizismus. Sein Hauptthema ist die Suche nach Schönheit und nach einer oft übersteigerten, sich am Rande des Abartigen bewegenden Sinnlichkeit und Erotik. Diesen dunklen Sog formt der Autor zu einem schnellen, mitreißenden Lesevergnügen. CARHARTT T-Shirts - 100 % Baumwoll- Jersey - mit original Carhartt-Logo - diverse Motive - Größen S bis 2 XL €17. 85 Angenehm überzeugt €125. 00 DUNLOP - Sicherheitsschuhe Sport Racer black im Sportschuhdesign €89. 20 - Durchtrittschutz + Zehenschutzkappe - super leicht und bequem - Größen 39 – 47 €179. 00 €36. 80 € PULSSCHLAG Bermuda Shorts - die Arbeitshose für den Sommer - ergonomisches Design für Bewegungsfreiheit - Reflexelemente - CORDURA-Verstärkungen - Größen 44–64 MAKITA Akkuschrauber-Set DF 330 DWLJ - sehr handlicher Akku-Bohrschrauber mit 2-Gang-Getriebe - sehr kompakt und leicht für Bohr- und Schraubarbeiten - 18-fache Drehmomenteinstellung plus Bohrstufe - Rechts-/Links-Lauf - elektronisch regelbare Drehzahl in zwei Gängen - Motorbremse - mit leuchtstarker LED Auf über 750 qm alles für den Profi. HYMER Mehrzweckleiter ALU-PRO - 3-teilig - 3 x 8 Sprossen - Gesamthöhe: 5,10 m Josef Strohmeier GmbH | Pilgerpatt 10 | 33378 Rheda-Wiedenbrück | Tel. 05242 / 92630 | Fax 05242 / 926320 | www.strohmeiergmbh.de

TIPPS 43 DVD-TIPP Der große Trip – Wild Eigentlich ist »Der große Trip« eine Literaturverfilmung. Die Vorlage ist der Roman von Cheryl Strayed, der wirklich ausgesprochen lesenswert ist – einer unserer Literatur-Tipps in der vorherigen Ausgabe. Aber mit Literaturverfilmungen ist das immer so eine Sache, denn zumindest die Leser sind meistens von den Filmen enttäuscht. Klar ist, dass ein Film von weniger als zwei Stunden nicht jeden Aspekt eines Buches, das im Original aus über dreihundert klein gesetzten Seiten besteht, erfassen kann. Da hilft es schon, dass die Autorin beim Entstehen des Films kräftig mitgewirkt hat. Sogar die eigene Tochter taucht im Film auf als Cheryls Ich als junges Mädchen, doch das nur nebenbei. Das Drehbuch hat der britische Erfolgsautor Nick Hornby verfasst, der viel Erfahrung mit Verfilmungen seiner eigenen Romane (About a Boy und andere) hat. Aber der Film kann natürlich etwas, was kein Buch kann, nämlich zeigen. Und zu zeigen gibt es jede Menge, denn die überwältigenden Landschaften des amerikanischen Westen zu beschreiben ist die eine Sache, aber sie in ihrer ganzen Erhabenheit zu sehen eine ganz andere. Und noch wieder eine ganz andere, wenn man selbst davor steht, doch das nur nebenbei als Reisetipp. Daher sollte man Der große Trip auch im größtmöglichen Format sehen, das man kriegen kann – vielleicht mit einem Beamer an die Wand projektieren? Denn die Natur spielt in dem unaufgeregten Film über die Wanderung zu sich selbst, oder doch zumindest um das eigene Leben wieder in den Griff zu bekommen, eine entscheidende Rolle. Und auch die Hauptdarstellerin ist mit Reese Witherspoon perfekt gewählt, denn die Frau ist längst mehr als das Blondchen in Natürlich blond. Besser gesagt hat sich die Oscar-Preisträgerin (für den Johnny Cash-Film Walk the Line) die Filmrechte beizeiten selbst gesichert, eben um die Hauptrolle spielen zu können. Eine weitere Oscar-Nominierung bekam dann Laura Dern als Filmmutter für die beste Nebendarstellerin. Zum Inhalt: Es geht um eine junge Frau, die durch den frühen Tod ihrer Mutter vollkommen aus der Bahn geworfen wird, ihre berufliche Zukunft verspielt, ihre viel zu früh eingegangene Ehe scheitern lässt. Schließlich landet sie bei diversen Männerbekanntschaften und Drogen. Doch dann beschließt sie, den Pacific Crest Trail von Kalifornien bis nach Oregon zu wandern. Drei Monate hat sie Zeit für die Route von fast 2.000 Kilometern. Dabei ist sie völlig unerfahren, was das Wandern und auch was das Alleinsein angeht. Sie macht sämtliche Anfängerfehler, sie nimmt viel zu viel Gepäck mit, hat Wichtiges nicht dabei, Unwichtiges schon, plant falsch und so weiter. Aber sie ist, zierlich wie sie ist, aus hartem Holz geschnitzt und stellt sich den Herausforderungen mutterseelenallein in der Wildnis. Die »echte« Cheryl Strayed, die bei den Extras ausführlich zu Wort kommt, gibt auf die Frage, ob der Trip nicht sehr gefährlich gewesen wäre, an, dass die Zeit vor dem Trip mit ihren Drogenexperimenten und wahllosen Männerbekanntschaften weitaus gefährlicher war. So kann man die Perspektive natürlich auch anlegen. Eine Warnung muss dennoch zum Schluss ausgesprochen werden: Der Zuschauer kommt schon in Versuchung, den Rucksack zu packen und selbst durch die Wüsten, die endlosen Wälder und über die Berge zu wandern…

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