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Das Stadtgespräch September 2015

Magazin für Rheda-Wiedenbrück

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32 Das Stadtgespräch WATT NICH ALLE GIBT Man kann auch zu schön sein! Ich kann mich noch an eine hitzige Diskussion erinnern, als einer Mitschülerin von mir in der Oberstufe von anderen Mädchen vorgeworfen wurde, dass die Lehrer ihr immer zu gute Noten geben. Und das nur, weil sie hübsch und nett war. Die Angesprochene, der das ganze echt peinlich war, antwortete daraufhin: »Ihr habt recht, ich kriege unverdient gute Noten – aber was würdet ihr denn machen?« Das beendete die Diskussion, denn auch die Mitschülerinnen hätten sich ja nicht gemeldet und gesagt: »Bitte geben Sie mir eine schlechtere Note«. Das Beispiel meiner hübschen Klassenkameradin ist keineswegs ein Einzelfall, wie Forscher seit langem wissen. Ja Forscher, denn die Attraktivitätsforschung ist seit Jahrzehnten ein wichtiges Thema für die Wissenschaft. Schon in den Siebziger Jahren fand Richard M. Lerner und sein Team von der Eastern Michigan University heraus, dass schöne Menschen bevorzugt werden. Sein Experiment, das er mit mehr als 500 nicht eingeweihten Fluggästen durchführte, sah so aus: In einer Telefonzelle am Flughafen in Detroit (heute im Handy-Zeitalter könnte man das Experiment gar nicht wiederholen!) lag eine Bewerbungsmappe. Darauf ein handschriftlicher Zettel: »Lieber Papa, ich wünsche dir eine gute Reise! Bitte denk daran, die Bewerbung noch vor deinem Flug aufzugeben. Deine Linda« Ein frankierter Briefumschlag lag bei, aber die Unterlagen mussten noch zum Postamt im Flughafen gebracht werden. Die über 500 Bewerbungsmappen waren alle identisch – bis auf das Foto von »Linda«. Je attraktiver Linda war, desto eher wurden die Unterlagen tatsächlich aufgegeben – so das eindeutige Ergebnis des Tests, der in vielen Variationen mit immer dem gleichen Resultat wiederholt wurde. Je schöner man ist, desto eher sind wildfremde Menschen bereit, etwas für einen zu tun. Das ist ja so ungerecht. Schönheitsforscher Ulrich Renz formuliert das so: »Schönheit ist ein Affront gegen einen unserer heiligsten Werte: dass alle Menschen mit den gleichen Chancen ins Leben starten«. Aber schließlich liegt die Schönheit im Auge des Betrachters – was man als schön empfindet, hängt doch von einem selbst ab. Richtig? Falsch, sagt jedenfalls die Wissenschaft. Unabhängig von der jeweiligen Kultur, von der Gesellschaftsschicht, von Alter, Beruf oder sogar Geschlecht nehmen alle Menschen dieselben Gesichter als attraktiv wahr. Zwar gibt es Geschmacksunterschiede, Moden oder bestimmte Marotten, doch die Gemeinsamkeiten überwiegen in erstaunlichem Maße. Apropos Maße: 90-60-90, also der angeblich ideale Umfang von Brust, Tail- WIR PRÄSENTIEREN DEN AIR-SEAT FÜR BEWEGTES SITZEN GEWINNEN SIE IHREN RÜCKEN ALS FREUND! Die ganze Welt der Wohnmöbel, Büros und Objekteinrichtungen. Rufen Sie uns an hölscher büromöbel objekteinrichtungen röntgenstraße 2 33378 rheda-wiedenbrück tel. 0 52 42 | 46 741 www.hoelscher-bueros.de info@hoelscher-bueros.de büros

33 le und Becken bei Frauen, ist völliger Quatsch, sagt zum Beispiel der Engländer Christopher Solomon von der University of Kent. Absolute Größe spielt überhaupt keine Rolle, die Proportionen dagegen umso mehr. Das perfekte Frauengesicht, das mit einer Phantombild-Software und einer Bildkatalogauswahl zusammengestellt wurde, ist herzförmig, ist von braunen Haaren eingerahmt und hat braune, mandelförmige Augen. Außerdem beträgt der Abstand der Augen, gemessen von Augenmitte zu Augenmitte 48 Prozent der Gesichtsbreite. Die Nase ist schmal und muss klein sein, genauer gesagt eine Länge von 37 Prozent der Kopfbreite haben. Der Mund hat volle Lippen und ist ein Prozent länger, als die Nase lang ist. Der ideale Mann dagegen hat braune Haare und blaue, oval geformte Augen mit einem Abstand, der 46 Prozent der Kopfbreite entspricht. Die Lippen sollen weder schmal noch voll sein und mit 35 Prozent der Kopfbreite deutlich schmaler als bei Frauen. Dafür ist das Kinn deutlich kantiger. Laut Solomon wird als am schönsten empfunden, wenn Gesichter bei Mann und Frau absolut symmetrisch sind. Es gibt also eine Schönheitsformel. Soweit die Durchschnittsschönen. Aber da gibt es ja auch noch die Superattraktiven. Und die sind, wieder laut Ulrich Lenz, zu schön, jedenfalls für den Alltag. Das manch einer zu schön zum Arbeiten ist, war mir ja immer schon klar. Menschen, die als superattraktiv empfunden werden, verfügen oftmals über Attribute, die eigentlich dem anderen Geschlecht zugeschrieben werden. Eigentlich sind Frauen, die dem Kindchen-Schema nahe kommen (große Augen, große Stirn, volle Wangen), schön. Als superattraktiv können sie aber erst empfunden werden, wenn ein männliches Attribut hinzukommt, beispielsweise markante Gesichtszüge, ausgeprägte Augenbrauen (Cara Delevigne, die sich in der Werbung so süß mit deutschen Namen abmüht). Bei Männern können beispielsweise typisch weibliche Attribute superattraktiv machen (Mick Jaggers Lippen, etwa). Diese Menschen haben Gesichter, bei denen man immer wieder hinsehen muss – ein Alptraum für Spione, übrigens. Für Models, die keineswegs oft dem Kindchen-Schema entsprechen, dagegen nicht. Hohe Wangenknochen etwa stehen für Macht und Dominanz, was natürlich bei Kunden für superteure Kleidung ein wichtiger Faktor ist. Zahnpasta dagegen kann man nicht mit superattraktiven Menschen verkaufen, denn dafür braucht es Gesichter, die nahbar und vertrauensvoll sind. In bestimmten Gebieten haben es die Superattraktiven tatsächlich schwer. Ein Experiment mit angeblichen Studentinnen auf Suche nach einem WG-Platz zeigte, dass die Schönheiten kaum eine Chance hatten, die normal Gutaussehenden schon. Das lag daran, dass den Superattraktiven unterstellt wird, kalt und desinteressiert zu sein – genau die Attribute, die sie bei ihren Laufstegauftritten brauchen. Der anfangs beschriebene Effekt, dass schöne Menschen es leichter haben, verkehrt sich bei den superattraktiven oftmals ins Gegenteil. Mitmenschen begegnen ihnen mit Misstrauen und halten sie für oberflächlich und dumm. Tröstlich für Normale, Schöne und Superattraktive ist jedoch, dass nicht allein das Aussehen bei der Attraktivität zählt. Renz wertet auch Haltung, Gestik, Mimik, Stimme, Geruch, Lebendigkeit, Witz, Mitgefühl und Intelligenz als unverzichtbare Attraktivitätsmerkmale. Und er weist darauf hin, dass sich die Schönheit manch eines äußerlich superattraktiven Menschen in dem Moment verflüchtigt, indem er oder sie den Mund aufmacht… 05242 - 93030

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