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Das Stadtgespräch März 2016

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Magazin für Rheda-Wiedenbrück

38 TIPPS

38 TIPPS Das Stadtgespräch DADA wird 100! Das Haus der guten Küche Angebote im März Schweinefilet „Mailänder Art“ an Tomatenspagetti, dazu bunter Salatteller € 11,50 Tranchierte Barbarie Entenbrust auf glasierten Orangenscheiben, dazu Kartoffelklöße in Mandelschmelze und bunter Salatteller € 13,80 Mittagstisch Abendkarte ab 18.00 Uhr Montags und Dienstags Ruhetag Rheda-Wiedenbrück | Herzebrocker Str. 162 Tel: 05242 - 42 434 »Die Dada-Philosophie ist die krankste, lähmendste und destruktivste Sache, die je dem menschlichen Gehirn entsprungen ist«, so urteilte jedenfalls die American Arts News 1922. Das sah das deutsche Kaiserreich sicherlich genauso. Wieso waren Machthaber und auch die internationale Kunstszene so irritiert und provoziert von dieser Kunstrichtung mit dem seltsamen Namen? DADA: Das waren schräge Verkleidungen, schrille Happenings, provokanter Nonsens, kurz: viel Lärm gegen das Nichts einer Kultur, die den Ersten Weltkrieg möglich gemacht hatte. Vor allem aber war DADA eine Bewegung von Künstlern und Lebensstrategen, die lustvoll-kämpferisch auf eine unübersichtlich gewordene Welt reagierte. Zum einhundertsten Geburtstag sind jetzt mehrere Bücher zum Thema erschienen. Martin Mittelmeier zeigt in »DADA – Eine Jahrhundertgeschichte« wie überraschend aktuell diese Antworten sind und wie DADA noch immer die Kultur der Gegenwart beeinflusst. Im Februar 1916 gründet mitten im Krieg im neutralen Zürich eine kleine Gruppe von Künstlern, Literaten und Theaterleuten das Cabaret Voltaire, in dem sich alsbald Unerhörtes abspielt. Hugo Ball zwängt sich in ein obeliskenartiges Kostüm und singt sinnlose Lautverse, Richard Huelsenbeck trommelt erfundene »Negerlieder« und Tristan Tzara dirigiert eine Kakophonie aus simultanem Gebrüll. DADA ist geboren und infiziert von Zürich aus die ganze Welt. Der Charakter von DADA ändert sich mit jedem Ort, denn die Dadaisten sind entschlossen, aus DADA kein neues Programm zu machen. Deswegen ist DADA, nach den Readymades von Duchamp, den Montagen von Grosz und Heartfield und den Skandalen im Paris von Breton rasch wieder vorbei. Aber es wirkt bis heute nach. Martin Mittelmeier flaniert und staunt mit uns durch das DADA-Universum, lässt uns teilhaben an der Vielzahl der DADA-Subversionen und zeigt, wie geschickt, verzweifelt und irrwitzig die Dadaisten auf die Probleme einer unmäßig komplex werdenden Welt reagierten, die der unsrigen zum Verwechseln ähnelt. Martin Mittelmeier, geboren 1971, arbeitete viele Jahre in renommierten deutschen Literaturverlagen und ist seit 2014 als freier Lektor und Autor tätig. Der promovierte Komparatist hat vielfach zu Themen der Philologie und Philosophie publiziert, unter anderem gab er »Ungeschriebene Werke. Wozu Goethe, Flaubert, Jandl und all die anderen nicht gekommen sind« (München 2006) heraus. In »DADA – Eine Jahrhundertgeschichte«, erschienen bei Siedler (272 Seiten, 22,99 Euro), liefert Mittelmeier in meist erzählerischem Ton einen wunderbaren Überblick über die Kunstrichtung, die nie Kunstrichtung sein wollte. Wer sich buchstäblich ein Bild machen möchte, dem sei Andreas Trojans (Herausgeber) »Dada- Almanach Vom Aberwitz ästhetischer Contradiction – Textbilder, Lautgedichte, Manifeste« empfohlen. Das gebundene Buch, ist erschienen bei Manesse, farbig gestaltet im Pappband, umfasst 176 Seiten und kostet 39,95 Euro. Diese repräsentativ zu nennende, typographisch originell und aufwändig gestaltete Auswahl im ungewöhnlichen 22 mal 22 Zentimeter-Format feiert die Geburtsstunde des Dadaismus und lässt die bekannten Hauptund Oberdadaisten zu Wort kommen, wartet aber auch mit so manchem Ingenium an der Peripherie auf, wie der Verlag so schön formuliert. Ob es sich um berühmte Lautgedichte handelt, um Textbilder oder Manifeste – der DADA-Almanach ist eine würdige Reminiszenz zum 100. Jahrestag und eine Fundgrube für alle, die die genial-radikale Revolte gegen den herrschenden Ungeist bis heute fasziniert. Vielleicht wollen Sie als Leser ja mehr erfahren, etwa »vom prolongierten sesam des knüllgebläses ojojoj« oder Sie finden heraus warum »muttermöndchen schöpfsalbe bimmeln«. Wer meint, Helge Schneider sei abgedreht, der wird bei der Lektüre dieses Bandes erkennen, dass dieser bestenfalls ein Enkel der originalen Dadaisten ist. Doch DADA ist keineswegs nur bis zur Unkenntlichkeit verklausulierter Ausdruck. Hugo Balls »Totentanz« von 1916 etwa ist ein tief beeindruckendes Anti-Kriegs Gedicht, im Klartext sozusagen, das es verdient hätte, bekannter zu sein. Dieser Band ist eine wahre Fundgrube und enthält zusätzlich zu den Originalwerken auch exklusive Dada-Biographien sämtlicher Protagonisten sowie Informationen zu den wichtigsten lokalen Ausprägungen des Dada.

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