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Das Stadtgespräch März 2016

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Magazin für Rheda-Wiedenbrück

32 TIPPS

32 TIPPS Das Stadtgespräch RICHARD YATES Cold Spring Harbor Ob man ihn Desillusionierungskünstler nennt, wie die Süddeutsche Zeitung es tut, oder ihn Erzählgigant nennt wie der Spiegel – heute ist sich die Kritik offenbar einig darüber, dass Richard Yates zu den ganz großen Schriftstellern zählt. Das war zu Lebzeiten des Amerikaners durchaus anders. 1926 in Yonkers, New York, geboren wuchs er in mehreren Städten der Ostküste auf, in »instabilen Verhältnissen«, denn die Eltern waren geschieden und auch finanziell lief es wohl nicht sonderlich. Als ganz junger Mann erlebte er den Zweiten Weltkrieg, als er seinen Wehrdienst in Frankreich und Deutschland leistete. 1946 war er in New York zurück. Er arbeitete als Journalist und auch als freischaffender Ghostwriter unter anderem für den damaligen Justizminister Robert Kennedy. Seine finanzielle Situation war ausgesprochen angespannt, sodass er immer wieder Jobs als schlecht bezahlter Lehrer übernahm. Erst 1961 hatte er mit seinem ersten Roman »Zeiten des Aufruhrs« Erfolg. 2008, also 16 Jahre nach dem Tod des Autors, wurde der Film von Hollywood verfilmt, was zur Wiederentdeckung Yates‘ führte. Der Ruhm seines ersten Romans hielt nämlich keine zehn Jahre und so war Yates am Ende der Sechziger Jahre praktisch in Vergessenheit geraten. Zu Unrecht, wie auch sein letzter Roman »Cold Spring Harbor« von 1986 beweist, den die DVA gerade in hervorragender deutscher Übersetzung von Thomas Gunkel herausgebracht hat (236 Seiten, 19,99 Euro). Zum Inhalt: Charles und Grace Shepard leben in den 1940er- Jahren im Städtchen Cold Spring Harbor auf Long Island. Sie sorgen sich um Sohn Evan, der nach einer wilden Pubertät und einer viel zu frühen Ehe, die fast zwangsläufig gescheitert ist, nicht recht auf die Beine kommt. Da lernen die Männer zufällig Familie Drake kennen. Während die trinkfreudige Mutter Gloria Charles anhimmelt, der für sie den Lockruf des »alten Geldes« verkörpert, verliebt sich Evan in Glorias Tochter, die stille, schöne Rachel. Nach einer kurzen Verlobungszeit heiraten sie, doch der amerikanische Traum von der intakten Kleinfamilie funktioniert nicht. Das Paar muss sich vielmehr das Haus in Cold Spring Harbor mit Gloria teilen, was zu mannigfaltigen Spannungen führt. In diesem Spätwerk über Väter und Söhne, Mütter und Töchter, die Liebe, die unterdrückte Sexualität der Zeit vor 1968, über Leidenschaften und Abhängigkeiten, zerplatzte Träume und die Fehler der Jugend gelingt Yates der große Wurf. Und wie jeder wahre Meister braucht er dafür nur wenige Sätze, die mit scheinbarer Leichtigkeit Lebenslügen aufzeigen. Der Unterschied zu anderen Autoren ist vielleicht, dass Yates immer auch ein Herz für seine Figuren hat, die auch heute, in einer vollkommen anderen Zeit, noch so normal wirken. MARK BILLINGHAM »Die Lügen der Anderen« Drei Pärchen aus England treffen in Florida in einem Hotel aufeinander. Sie verstehen sich auf Anhieb blendend und freunden sich an – es scheint der perfekte Urlaub zu sein. Doch in der letzten Nacht vor ihrer Abreise verschwindet ein Mädchen aus dem Hotel spurlos und wird wenig später tot aufgefunden. Zurück in England bleiben die Paare in Kontakt und wollen ihre Freundschaft vertiefen – auch um das Erlebte verarbeiten zu können. Deswegen laden sie sich alle gegenseitig zum Abendessen ein. So kommt es zu drei Begegnungen, die zunehmend geprägt sind von Merkwürdigkeiten, Misstrauen und dem beklemmenden Verdacht, dass hinter der Fassade des jeweils anderen nichts ist, wie es scheint. Je mehr sich die neuen Freunde voneinander erzählen, desto unheimlicher werden sie sich. Und über allem steht die Frage: Hat einer von ihnen etwas mit dem Tod des Mädchens in Florida zu tun? Der britische Erfolgsautor Mark Billingham versteht es in »Die Lügen der Anderen« gekonnt mit dem Leser zu spielen. Immer wieder legt er falsche Fährten oder sorgt mit unerwarteten Wendungen für kleine Schockmomente. Obwohl kaum Blut fließt, hat man die ganze Zeit über eine Gänsehaut, weil von der ersten Seite an, in jeder Zeile, eine unerklärliche Bedrohung zu spüren ist. Erschienen ist »Die Lügen der Anderen« als Taschenbuch im Heyne-Verlag, hat 416 Seiten und ist erhältlich in der Buchhandlung bücher-güth für 9,99€. JUGENDBUCH: MALALA YOUSAFZAI »Ich bin Malala« »Ich bin Malala« ist kein ausgesprochenes Jugendbuch, aber durchaus für Jugendliche geeignet. Die sind nämlich weit besser als ihr Ruf und interessieren sich durchaus für das, was um sie herum geschieht. Malalas Geschichte sorgte international für Erschütterung: Am 9. Oktober 2012 wird die junge Pakistanerin Malala Yousafzai auf ihrem Schulweg von Taliban-Kämpfern überfallen und brutal niedergeschossen. Die Fünfzehnjährige hatte sich den Taliban widersetzt, die Mädchen verbieten, zur Schule zu gehen. Obendrein führte sie für die BBC ein vielbeachtetes Blog-Tagebuch über ihren Alltag unter den Islamisten. Damit war ihr Todesurteil gefällt. Die Kugel traf Malala aus nächster Nähe in den Kopf; doch wie durch ein Wunder kam das mutige Mädchen mit dem Leben davon. Schon kurz danach hat sie erklärt, dass dieser Anschlag sie nicht davon abhalten wird, auch weiterhin für die Rechte von Kindern, insbesondere Mädchen, einzutreten. Malala Yousafzai, geboren 1997, wurde von klein auf von ihrem Vater Ziauddin gefördert und dazu ermutigt, sich für die Rechte von Mädchen einzusetzen. Ziauddin Yousafzai leitete selbst eine Schule im pakistanischen Swat-Tal – und missachtete damit das Verbot der Taliban. Malala lebt heute mit ihrer Familie in England. Seit März 2013 geht sie in Birmingham wieder zur Schule. Im September 2013 wird sie mit dem Internationalen Friedenspreis für Kinder und dem Sacharow-Preis für geistige Freiheit ausgezeichnet. 2014 erhält Malala Yousafzai als jüngste Person der Geschichte den Friedensnobelpreis. Die Geschichte des Mädchens, das die Taliban erschießen wollten, weil es für das Recht auf Bildung kämpft, ist zum ersten Mal als Taschenbuch erschienen (Knaur, 413 Seiten, 12,99 Euro).

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