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Das Stadtgespräch Dezember 2016

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58 Das

58 Das Stadtgespräch ISLANDREISE TEIL 3 Coole Hauptstadt – kühler Rest »Das kann doch wohl nicht sein, dass ich hier keinen Parkplatz finde«, schoss es mir durch den Kopf, als ich inzwischen das dritte Mal die Hakkgrímskirkja umrundete. Unsere Vermieterin hatte uns nämlich geraten, in der Nähe der weißen Kirche zu parken, deren 76 Meter hoher Kirchturm weithin sichtbares Wahrzeichen Reykjaviks geworden ist. Das mit den freien Parkplätzen mag um acht Uhr morgens so sein, aber wer gemütlich frühstückt und dann erst los fährt, der darf gerne etwas länger suchen. Was ich verwunderlich fand, denn wir waren schon ein paar Tage auf Island gewesen und wenn etwas ins Auge sticht, dann ist es der Platz ohne Ende. Viel Gegend, wie der Westfale sagt. Nicht so in der Hauptstadt, denn in der Stadt selbst wohnen gut 120.000 Menschen und in der näheren Umgebung etwa noch einmal genauso viele, also etwa zwei Drittel aller Isländer. Entsprechend knapp ist der Platz, entsprechend hoch die Lebenshaltungskosten. Irgendwann bekommt man jedoch auch hier einen Parkplatz und dann kann man die Stadt prima zu Fuß erkunden, die Ausdehnung ist durchaus überschaubar. Sehenswert ist die erwähnte Hallgríms-Kirche, die erst 1986 nach vierzigjähriger Bauzeit fertiggestellt wurde. Der Bau sieht aus, wie aus Eis gemacht – das Taufbecken ist ein gewaltiger Kristall, der diesen Eindruck noch verstärkt. Der sakrale Bau, das zweithöchste Gebäude des Landes, bietet 1.200 Menschen Platz, im Sommer werden Orgelkonzerte veranstaltet. Da die Kirche erhöht liegt, kann man sie praktisch von überall in der Hauptstadt aus sehen. 500 Jahre vor Columbus Vor der Kirche blickt ein grimmiger Wikinger nach Westen. Das tut er nicht zufällig, denn die Skulptur Hallgrímskirkja, das Wahrzeichen Reykjaviks von 1930 stellt Leif Erikson, oder besser isländisch Leifur Eiriksson dar, den Entdecker Amerikas. Erikson ist dabei natürlich weit weniger bekannt als Columbus, aber der Wikinger landete nachweislich schon im Jahre 1000, also fast genau 500 Jahre vor Columbus, an der Nordspitze Neufundlands und damit auf dem amerikanischen Kontinent. Sogar eine Siedlung gründete er dort, die allerdings nach einiger Zeit aufgegeben wurde. Tatsächlich Amerika entdeckt, im Sinne von gesehen, hatte schon Jahre zuvor Bjarni Herjulfsson, das allerdings eher aus Versehen, weil er sich verirrt hatte. Auch schien er wenig beeindruckt. Besiedelt war Island selbst offenbar ab dem 7. Jahrhundert, vor allem von Norwegen aus. Aber auch andere Skandinavier und sogar Kelten ließen sich hier nieder. Anders als in ihren Heimatländern entwickelten die Isländer als Staatsform einen Vorläufer der Demokratie. Der Name Island bedeutet übrigens nichts anderes als Eisland – aus gutem Grund, wie man noch heute sieht und fühlt. Bei der alljährlichen Versammlung, dem Thing, wurden Gesetze erlassen und Recht gesprochen unter gleichberechtigten Bürgern. Ausgenommen waren natürlich die unfreien Menschen und, na klar, auch die Frauen. Als die Norweger Island ihrem Reich einverleibten war selbstverständlich Schluss mit dem Unfug der Demokratie. Ab 1262 galt wieder das Königswort. Als der norwegische König sich gut 100 Jahre später selbst den Dänen geschlagen gegeben musste, wurde auch Island Teil Dänemarks. Erst 1904 gewährten die Dänen den Isländern die Autonomie. Nach dem ersten Weltkrieg wurde die Insel zum souveränen Staat, wobei der dänische König bis 1944 Staatsoberhaupt war. Die dänischen Könige, die vor 1944 geboren waren, mussten daher auch einen isländischen Namen tragen, Königin Margarethe II. heißt deshalb auch þorhildur. Das wäre mal eine gute Millionenfrage bei »Wer wird Millionär?« Wenn Nachtleben, dann hier Doch zurück zur Hauptstadt. Ganz bescheiden gibt sich das Parlamentsgebäude Alþingishúsið aus dem 19. Jahrhundert. Weitaus eher ein Blickfang ist das Konzerthaus und Konferenzzentrum Harpa, dessen beeindruckende Glasfassaden am Hafen in der Sonne glänzen, wenn sie denn mal scheint. Ein besonders auffälliges Gebäude ist Perlan, das direkt auf dem Heißwasserspeicher der Stadt sitzt. Allerdings liegt Perlan, das nicht ganz unumstritten ist, nicht direkt im Zentrum. Dort jedoch befindet sich die Kö von Reykjavik, die Laugavegur und einige wenige Nebenstraßen. Restaurants, Cafés, Galerien und Boutiquen reihen sich aneinander und bieten alles, was Modewelt, der Kunstmarkt und die Kulinarik zu bieten haben. Allerdings auch mit den entsprechenden Preisschildern. Hier findet auch das

59 Gletscherflüsse durchziehen das Land. Der große Brachvogel in seinem Revier Nachtleben der Stadt – und damit des Landes – statt. Der knappe Platz der Hauptstadt wird optimal ausgenutzt, denn was um drei Uhr morgens cooler Club ist, lädt morgens um zehn zum Frühstück und nachmittags zu Kaffee und Kuchen ein. Auf der Homepage der isländischen Fluggesellschaft WOW ist zu lesen: »Am Wochenende ausgehen und sich hoffnungslos besaufen macht vielen in Reykjavik mehr Spaß als anderswo und ist für viele bei ihrem Islandaufenthalt ein Muss« und weiter: »Alkohol trinken ist in Island ab 20 Jahren erlaubt, aber erwartet nicht, dass die Party schon vor Mitternacht in vollem Gange ist, denn es geht meistens erst in den frühen Morgenstunden heiß her… Eine nette Atmosphäre um ein Glas Wein oder Bier zu trinken, gibt es jeden Abend, bloß das wilde Partyleben ist den Wochenenden und den Nächten vor Feiertagen vorbehalten«. Aha. Der Grund für die Feierfreude ist wohl auch, dass es nur in diesem Ort eine Ballung von Cafés und Kneipen (je nach Tageszeit) gibt, mehr als 100 an der Zahl. Gegend ohne Ende Mittlerweile werden auch irgendwelche Rave-Veranstaltungen auf Island organisiert, wo dann für ein paar Tage die Post rund um die Uhr abgeht. Aber das alles ist die absolute Ausnahme. Die Wandervögel zieht es weit mehr als das Partyvolk in den hohen Norden. Festes Schuhwerk und stramme Waden sind schon am Flughafen Düsseldorf nichts Ungewöhnliches. Die allermeisten Besucher zieht es in die Natur. Und die ist auch per Auto zu erreichen. Allerdings nicht immer ganz einfach, denn von den rund 13.000 Straßenkilometern ist nur ein gutes Drittel asphaltiert. Die längste und im Grunde einzige durchgehende Straße ist die Þjóðvegur, also die Nationalstraße Nr. 1. Sie führt um die gesamte Insel, wobei sie die großen Halbinseln abschneidet. Wer Eis auch im Sommer sehen möchte, der muss gar nicht so lange von Reykjavik gen Osten fahren. Bis auf wenige Kilometer an die Nationalstraße 1 heran reicht nämlich der große Bruder des bekannten Eyjafjallajökull, der 2010 explodierte und den Flugverkehr lahm legte. Dieser Vulkan führt den vergleichsweise griffigen Namen Mýrdalsjökull. Der schätzungsweise zehnmal größere Vulkan liegt komplett unter dem Eis, einer tausend Meter dicken Schicht, um es genauer zu sagen. Wenn der einmal explodiert, kann das buchstäblich die Sonne verdunkeln. Aber vermutlich wird er das in unserer Lebenszeit nicht tun. Derweil kann man – unter der Anleitung von erfahrenen Bergführern, versteht sich, durchaus auf dem Gletscher herum kraxeln. Aber selbst die einheimischen Führer leinen sich an, denn überall unter dem Schnee könnten die Gletscherspalten lauern. Ewiges Eis Wenn nicht gerade der Himmel blau ist, fühlt man sich hier wie in einem Schwarzweiß-Film, denn die Vulkanasche und das Eis gehen die faszinierendsten Verbindungen ein. Das tollste Naturschauspiel bietet sich im Vatnajökull Nationalpark. Hier schwimmen die Eisberge, die von diesem gigantischen Gletscher kalben, Richtung Meer. Um dorthin zu gelangen, muss man schon eine Tagesfahrt von der Hauptstadt aus einkalkulieren – mehr als 400 Kilometer. Wer die gesamte Insel umrunden möchte, sollte dafür rund 2.000 Kilometer veranschlagen. Im Juli und August sollte man die Unterkünfte jeweils im Voraus reservieren, denn es gibt einfach nicht viele Übernachtungsmöglichkeiten auf dem Lande. Eine andere Mög-

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