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Das Stadtgespräch Dezember 2016

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32 TIPPS

32 TIPPS Das Stadtgespräch von der Erfahrung des Krieges verschont, erkundet mit außerordentlichem Einfühlungsvermögen die Grenzerfahrung des nach Hause-Kommens, die allein schon all diejenigen nachvollziehen können, die nach langen Monaten im Ausland heim kommen, um dann festzustellen, dass sich alles verändert hat, weil sich zu Hause nichts verändert hat. Und auch in anderer Hinsicht ist der Autor für heutige Leser noch interessant, führt er doch vor Augen, wie »modern« doch viele Ansichten vor 90 Jahren waren und wie das Pendel der Liberalität und auch der Humanität zurückgeschwungen ist. In den 1920er-Jahren war Wassermann zusammen mit Thomas Mann und Stefan Zweig einer der meistgelesenen deutschen Schriftsteller. 1933 fielen seine Werke den Bücherverbrennungen der Nationalsozialisten zum Opfer fallen und er wurde aus der Akademie der Künste ausgeschlossen. Doch schon 1924, als er den vorliegenden Roman veröffentlichte, ahnte er das nahende Unheil voraus. In einer Zeit des brüchigen Friedens und des drohenden Zerfalls Europas stellt der Roman existenzielle Fragen, die uns auch heute noch beschäftigen: nach dem Wert von Menschlichkeit, Respekt und gegenseitiger Achtung. WOLF SERNO »Die Gesandten der Sonne« Selbst auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole, denn ich habe Mac P. Lornes »Der Pirat« mit den gleichen Worten angepriesen, muss ich es einfach sagen: Der neue Roman von Wolf Serno ist ein herrlicher Schmöker! Nicht, dass man bei Serno etwas Anderes erwarten würde, aber »Die Gesandten der Sonne« haben mich noch mehr beeindruckt als die diversen Wanderchirurgen und sonstigen mittelalterlichen Gestalten, für die der ehemalige Creative Director aus der Werbebranche seit langem bekannt ist. Seit 2001 genauer gesagt, denn in diesem Jahr erschien sein Roman »Der Wanderchirurg«, dem noch drei weitere Mittelalterromane mit medizinischem Schwerpunkt folgten. Das heißt, genauer betrachtet, geht es in den anderen Romanen außerhalb dieser Reihe ebenfalls mindestens am Rande auch um Medizin im Mittelalter. Aber daraus sollte man dem Autoren keinen Vorwurf machen, denn schließlich kritisiert auch niemand an John Grisham, wenn sein neuer Held ein Anwalt ist. Man schreibt eben im Idealfall über das, womit man sich auskennt. Und für akribische Recherche ist Wolf Serno bekannt. Und die war bestimmt auch für den neuen Roman nötig, spielt er doch anders als seine anderen Bücher nicht im Hoch- oder Spätmittelalter oder der frühen Neuzeit, sondern zur Zeit Karls des Großen. Die Story des Romans ist sogar historisch belegt, jedenfalls im Ergebnis, lässt aber noch jede Menge literarischer Freiheiten, da eine lückenlose Dokumentation um das Jahr 800 natürlich nicht gegeben war. Die Geschichte ist natürlich auch deshalb interessant, weil diese Zeit nicht notwendiger Weise Teil des Allgemeinwissens ist. Und etwas Neues lernen macht doch Spaß, wenn es so spannend verpackt ist wie in diesem Buch. Zum Inhalt: Bagdad im Jahre 797. Im Auftrag Karls des Großen knüpft eine Gruppe wagemutiger Männer gute Kontakte zum ebenso berühmten wie zu Recht berüchtigten Kalifen Harun al-Raschid. Der soll nach Karls Wunsch idealer Weise zum Verbündeten im Kampf gegen die arabischen Umayyaden werden, die sich auf der gesamten iberischen Halbinsel angesiedelt haben. Die zweitbeste Lösung wäre dann ein Nichtangriffspakt – der Kalif ist Oberhaupt der Abbasiden, dem seine Glaubensbrüder jedoch gründlich verhasst sind. Die Verhandlungen der Gesandtschaft ziehen sich in die Länge, was einerseits die Gesandten erfreut, dürfen sie doch das Leben in der zivilisiertesten und größten Stadt der damaligen Welt genießen. Andrerseits sind sie natürlich den Launen des mächtigen Herrschers ausgeliefert, und diese Launen können schnell mal den Kopf kosten. Doch schließlich können sie das Vertrauen Harun al-Raschids erlangen – wobei die medizinischen Kenntnisse des jungen Cunrad von Malmünd helfen, das musste einfach bei Serno sein. Schließlich ist die Mission dann auch erfüllt und die Franken dürfen wieder in ihr Reich ziehen. Doch genau das ist das Problem, denn die Rückreise ins Frankenland erweist sich als ein einziges Abenteuer, da die «Gesandten der Sonne» kostbare Geschenke mit sich führen – darunter eine gewaltige Wasseruhr – besonders praktisch in der Wüste – und als Besonderheit ein lebender Elefant. Und da die gefährliche Rückreise ihren Zoll auch von den Anführern der kleinen Gesandtschaft fordert, wächst der junge Cunrad immer mehr in die Rolle des Anführers hinein. Doch die Verantwortung wiegt schwer und er muss Entscheidungen treffen, die sein Gewissen schwer belasten. Und als wenn das noch nicht genug wäre, ist da auch noch Aurona, die stolze Langobardin, die Cunrad heimlich aus dem Harem des Kalifen entführt hat. Doch dessen Arm reicht locker bis in den letzten Winkel Nordafrikas. Wolf Serno bettet seine Geschichte und deren viele Geschichten geschickt in eine Rahmenhandlung, die nicht weniger als eine Verbeugung vor Scheherezade ist. Erschienen ist der 621 Seiten dicke Schmöker bei Knaur, Hardcover, 22,99 Euro. Ein nicht nur äußerlich schönes Buch. JUGENDBUCH: PIERCE BROWN »Red Rising – Im Haus der Feinde« Ob dieser Roman tatsächlich unter Jugendroman firmiert, weiß ich nicht. Der Verlag jedenfalls listet ihn unter »all ager«, also für Leser jeden Alters. Mir kommt es eher so vor, als sei er thematisch und auch stilistisch eher für Jugendliche, aber wie man bei dem völlig anderen Genre der Harry-Potter- Bücher sieht, spielt das Alter der Leser oft eine sehr untergeordnete Rolle. Zum Inhalt: Immer war Darrow stolz darauf, als Minenarbeiter auf dem Mars den Planeten zu erschließen. Bis er herausfand, dass die Oberschicht, die Goldenen, längst in Saus und Braus leben und alle anderen ausbeuten. Unter Lebensgefahr schloss er sich dem Widerstand an und ließ sich selbst zum Goldenen verwandeln. Nun lebt er mitten unter seinen Feinden und versucht die ungerechte Gesellschaft aus ihrer Mitte heraus zum Umsturz zu bringen. Doch womit Darrow nicht gerechnet hat: auch unter den Goldenen findet er Freundschaft, Respekt und sogar Liebe. Zumindest so lange ihn niemand verrät. Doch der Verrat lauert überall. Auch im Band 2 der Trilogie gelingt es

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