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Das Stadtgespräch Dezember 2015

Das Magazin für Rheda-Wiedenbrück

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62 Das Stadtgespräch wichtsbegrenzung für das Gepäck hat. Es gibt also durchaus geeignete und ungeeignete Souvenirs. Doch das sind allein praktische Kriterien. Durch Umfragen wie die zitierte beflügelt, könnte man meinen, dass man nur ein paar Dinge wie Praktikabilität, Preis und Geschmack beachten muss (mir fiele da spontan die Putin-Babuschka ein, die ich als Gag gekauft hätte, wäre sie nicht so teuer gewesen), um das richtige Mitbringsel zu erwerben. Doch es gibt kein einheitliches Richtig. »Reisesouvenirs hebeln jeglichen vertrauten normativen Kunst-, Schönheits- oder Geschmacksbegriff aus, indem sie vielmehr nach dem Besonderen und Eigentümlichen suchen«, sagt jedenfalls die promovierte Germanistin und Kunsthistorikerin Christiane Holm von der Universität Halle/Saale. Weder der Gebrauchswert noch der Kunstwert und schon gar nicht der materielle Wert sind dem besonderen Status eines Souvenirs abträglich. Es spielt also überhaupt keine Rolle, wenn Mitbringsel völlig nutzlos sind. Vielmehr stellen sie laut der Wissenschaftlerin eine autobiographische Erinnerungsform dar. Insofern kann es mein Wikinger mit meinem (teuren!) originalgetreuen Modellnachbau der Bounty aus Mauritius ebenso aufnehmen wie mit meinem Lava-Bröckchen, auf Lanzarote gefunden, oder der Maske aus Sri Lanka, die über der Tür zu meinem Väterchen Frost aus Russland Arbeitszimmer hängt – schön bunt in BASF-Farben gestaltet statt mit Originalerdtönen. Und auch unser Väterchen Frost (nicht wirklich günstig) aus Sankt Petersburg von der gleichen Kreuzfahrt wie das Souvenir vom Baltikum ist als »autobiographische Erinnerung« für mich exakt genau so viel Wert wie mein kleiner Wikinger! Die Sache mit dem Glück »Geld allein macht nicht glücklich«, heißt es jedenfalls immer. Die Aussage ist ungefähr so wahr wie »lieber reich und gesund als arm und krank«. Es ist doch logisch, dass Geld allein nicht glücklich macht. Die wirkliche Frage ist doch: Macht es glücklicher? Und was ist überhaupt Glück? Nun, die letzte Frage haben Wissenschaftler relativ schnell für sich beantwortet, wenn auch auf recht nüchterne Art und Weise. Für sie bedeutet Glück ein langes Leben und Zufriedenheit mit diesem Leben. Das Lebensalter ist dabei recht zügig ermittelt, dafür gibt es reichlich statistische Daten von der Rentenversicherung oder Statistischen Ämtern. Die Lebenszufriedenheit zu messen ist da schon etwas schwieriger. Dabei wird oftmals die Frage: »Wie zufrieden sind Sie gegenwärtig, alles in allem, mit ihrem Leben?« gestellt. Die Befragten können dann auf einer Skala von null, dem schwächsten, bis zehn, dem stärksten, ihren jeweiligen Wert angeben. Die Werte in Deutschland sind in den letzten Jahren permanent gestiegen – wir sind also glücklicher geworden. Mittlerweile rangieren sie um sieben, doch damit liegen wir noch weit hinter den Skandinaviern zurück, die durchgängig und schon seit Jahren die Spitzenwerte bei acht Punkten und darüber erreichen. In der Schweiz sind die Menschen ebenfalls neuerdings so glücklich wie die Skandinavier. Das könnte zu dem Schluss führen, dass die Menschen glücklicher sind, je reicher sie sind. Das mag für den Schnitt des Lebensstandards richtig sein, auf individueller Ebene passt das jedoch nicht. Sagt jedenfalls der schottische Nobelpreisträger für Wirtschaft Angus Deaton, der seit langem in Princeton lehrt. Bei einem seiner Forschungsprojekte hat er herausgefunden, dass Geld tatsächlich glücklich macht. Aber, und jetzt kommt die Überraschung, die bei näherem Betrachten wohl gar nicht so überraschend ist, es gibt eine Grenze, eine bestimmte Summe, ab der die Menschen eben nicht glücklicher werden, wenn sie mehr verdienen. Und diese Grenze liegt (oder lag zumindest vor wenigen Jahren) bei 75.000 Dollar (derzeit rund 68.000 Euro) Jahreseinkommen. Ab diesem Verdienst ist Schluss mit Glück durch Geld, auch oder gerade wenn man ordentlich mehr verdient, man wird nicht glücklicher. Aktuelle Forschungen bestätigen die Angaben Deatons, auch wenn die Grenze in Deutschland schon bei 60.000 Euro brutto erreicht ist, im internationalen Vergleich werden die Menschen bis zu einem Verdienst von 140.000 Euro glücklicher. Die Grenze liegt also international unterschiedlich hoch, sie kommt aber auf jeden Fall. Einhellig machen die Forscher den Stress dafür verantwortlich, der mit dem hohen Verdienst und dem dafür notwendigen Einsatz einher geht. Und natürlich sorgt der ungesunde Stress dafür, dass weder der Glücksfaktor langes Leben noch Zufriedenheit erfüllt ist. Was mich persönlich wundert ist, dass die Mittelmeerländer auf der Glücksskala nicht im Spitzenbereich liegen. Ein schwedischer Rentner soll sehr viel zufriedener sein als ein spanischer? Das deckt sich nicht unbedingt mit meinen Beobachtungen – aber ich bin ja auch kein wichtiger Forscher! Auf jeden Fall sollte man die Geld-Glücks-Relation im Auge behalten, wenn man unbedingt in die nächst höheren Gehaltsklassen drängen möchte.

63 MGV 1872 Weltliches Herbstkonzert Klanglich muss man eine Kirche erst einmal füllen können. Und selbst wenn das gelingt, ist es gar nicht so einfach, die Kirche auch mit Besuchern zu füllen, wie Geistliche aller Konfessionen leidvoll feststellen müssen. Doch den Sangesbrüdern vom Männergesangverein von 1872 Rheda gelang beides scheinbar mühelos auf ihrem Herbstkonzert. Bis auf den letzten Platz gefüllt, beziehungsweise darüber hinaus, denn die Sitzplätze reichten nicht einmal aus, gaben die rund zwei Dutzend Männer des Chors ihr Bestes, um das Publikum in der Stadtkirche in Rheda auf hohem Niveau zu unterhalten. Dabei zeigte der Chor unter Leitung von Edwin Pröm und am Klavier professionell begleitet von Christoph Grohmann erneut seine musikalische Bandbreite. Das Programm reichte von Gershwin-Melodien über wunderschöne Pop-Titel wie She’s the One, das man von Robbie Williams kennt, bis zu Shantys (Das ist die Liebe der Matrosen), der Neuen Deutschen Welle (Major Tom), dem englischen Traditional Scarborough Fair, den Simon and Garfunkel berühmt gemacht haben, und, dem Spielort angemessen, Spirituals wie Nobody Knows the Trouble. Ebenfalls sehr angemessen, musikalisch und auch überhaupt, war, dass Pfarrer Rainer Moritz an seiner Wirkungsstätte selbst zum Instrument, dem Alt-Saxophon, griff und einen Auftritt hinlegte, den man wohl wirklich nur cool im besten Sinne nennen kann. Zudem bekam das Publikum noch einige Standards zu hören. Niemand brauchte sich auf nur eine Sekunde zu langweilen. Tosender Applaus war dann auch die logische Konsequenz und der Chor bedankte sich mit der deutschen Version von Can You Feel the Love Tonight aus dem König der Löwen. Diese Veranstaltung, also ein weltliches Konzert in einem kirchlichen Rahmen, war auf jeden Fall gelungen, da waren sich alle einig. INNER WHEEL HILFT Sprachför derung für Flücht lingskinder und Musical-Fabrik (V. l.) Susanne Teipel (Präsidentin IWC Rheda-Wiedenbrück), Marion Ervens (verdeckt), Magdalene Hüser (beide IWC) Klaus Wulfheide, Burkhard Schlüter (beide Musical Fabrik) Während des ersten Meetings nach der Sommerpause überreichte die amtierende Präsidentin des Inner Wheel Clubs Rheda-Wieden- brück (IWC) Susanne Teipel einen Scheck in Höhe von 2500 Euro für die vielfältigen Aufgaben, die sich die Musical Fabrik unter der NEWSBOYS BEGEISTERTEN WIEDER Prominente Unterstützung aus dem Publikum (Kem) Die Schüler der Ernst-Barlach- Realschule begeisterten Ende Mai das Publikum mit mehreren Aufführungen des Musicals »Newsboys«. Aufgrund der großartigen Resonanz führten sie das Stück Ende Oktober noch einmal auf. Die Darsteller probten das Stück wieder perfekt ein und boten noch einmal eine letzte, grandiose Vorstellung in der Schulaula. Sie stellten dabei zugleich ihre hohe Motivation unter Beweis. Es wurde deutlich, wie sehr diese Musical- Welt in Rheda-Wiedenbrück bedingt durch die Schließung dieser Schule fehlen wird. Zur Freude der Schüler, Eltern und Lehrer wohnten die mit der Ernst-Barlach-Realschule und ihren Musical-Projekten verbundenen Ehrengäste, der Frontman der »Höhner«, Henning Krautmacher, und der südafrikanische Schulleiter Llewellyn Metembo, für dessen Schule sich die EBR in den vergangenen Jahren Leitung von Klaus Wulfheide auf die Fahnen geschrieben hat. »Kinder, Jugendliche und Erwachsene unterschiedlicher Herkunft und Bildung zu motivieren und zu begeistern, regelmäßig ein Musical auf die Bühne zu bringen, hat uns gereizt, die Arbeit für die vorbildlichen Projekte der Musical Fabrik zu unterstützen«, so Susanne Teipel. All diese Menschen werden nicht nur in ihren schauspielerischen oder musikalischen Talenten als Darsteller auf der Bühne oder Musiker im Orchester gefördert. Auch ihre künstlerischen, handwerklichen Fähigkeiten zur Bühnenbildgestaltung und -herstellung haben in der Vergangenheit immer wieder beeindruckt. Eine Spende in der gleichen Höhe ging an die Flüchtlingshilfe. Sie wurde auf das Konto des neu gegründeten »Flüchtlingsfonds«, der von der Bürgerstiftung Rheda-Wiedenbrück verwaltet wird, überwiesen und soll zweckgebunden für »Sprachunterricht, Lernmaterial und Kinderspielzeug« verwendet werden. Noch Anfang dieses Jahres unterstützte der Club ein Projekt, das sich der gesonderten Sprachförderung für Flüchtlingskinder in der Josef-Schule in Herzebrock- Clarholz widmete und die Anschaffung von Fahrrädern für zwei Flüchtlingsfamilien ermöglichte. mit Erfolg stark gemacht hatte, der letzten Aufführung bei. Als dann der letzte Vorhang fiel, gab es für den Musical-Spaß begeisterten Beifall, der nur sehr schwer die Wehmut über das endgültige Ende der Musical-Zeit an der Ernst-Barlach-Realschule überdecken konnte.

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