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Das Stadtgespräch Dezember 2015

Das Magazin für Rheda-Wiedenbrück

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60 Das Stadtgespräch ... und die ebenso berühmte Blaue Moschee Noch nichts los im Großen Basar ... verfünffachte sich, Aquädukte führten Trinkwasser in die Stadt und an die Bevölkerung wurde Getreide verteilt. In die Zeit des Kaisers Justinian (527 bis 565) fiel eine weitere Blütezeit, in der wie gesagt auch die Hagia Sofia errichtet wurde. Konstantinopel war die mit Abstand größte und reichste Stadt Europas und des Mittelmeerraumes. Zweimal bissen sich die Araber bei Belagerungen die Zähne aus. Als die Seldschuken Mitte des 11. Jahrhunderts Kleinasien besetzten und damit einen Teil des Hinterlandes der Stadt, wendete sich Konstantinopel an die italienischen Handelssupermächte, vor allem Venedig und Genua. Kaiser Manuel I. ließ die in der Stadt lebenden Venezianer, die ihm zu mächtig geworden, verhaften und deren Besitz 1171 konfiszieren. Keine gute Idee, wie oben geschildert. Mit dem Lateinischen Kaiserreich, deren Hauptstadt Konstantinopel von 1204 bis 1261 war, ging der Niedergang einher. Dem Ansturm der Osmanen unter Murad II. hielt die Stadt 1422 noch Stand, 1453 wurde sie jedoch erobert. Sultan Mehmed II. fand eine zerstörte und entvölkerte Stadt vor. Das sollte sich sehr bald ändern, denn Kostantiniyye, das gelegentlich schon Istanbul genannt wurde, wurde nach Bursa und Edirne (Adrianopel) zur neuen Hauptstadt des osmanischen Reiches. Mit Sultan Süleyman I., besser bekannt als Süleyman der Prächtige, erreichte die Macht des osmanischen Reichs Mitte des 16. Jahrhunderts seinen Höhepunkt. Zahlreiche Brücken, Paläste, Brunnen und vor allem Moscheen sind Zeugen dieser Zeit. Ein wirklich beeindruckendes Beispiel eines Sakralbaus ist die Sultan Ahmed Moschee, besser bekannt als die Blaue Moschee, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts erbaut wurde. Sie liegt der Hagia Sofia direkt gegenüber und gilt als Istanbuls Hauptmoschee. Ihren offiziellen Namen verdankt sie Sultan Ahmed, der den Bau 1609 in Auftrag gab. Der inoffizielle Name bezieht sich auf die blau-weißen Fliesen, die die Kuppel und den oberen Teil der Mauern zieren. Sechs wunderschön schlanke Minarette umgeben den Bau. Auch hier ist es den Architekten gelungen, trotz der beeindruckenden Ausmaße eine lichtdurchdrungene Leichtigkeit herzustellen – wozu natürlich die insgesamt 260 Fenster beitragen. Auf der anderen Seite der Hagia Sofia befindet sich der Topkapi- Palast. Bräuchte man mehrere Stunden, um die Hagia Sofia und die Blaue Moschee genau in Augenschein nehmen zu können, für den Topkapi-Palast bräuchte man Tage. Das mindestens aus James-Bond-Filmen und anderen Hollywood-Streifen bekannte Gebäude war einst Zentrum der Osmanischen Macht. Hier wohnte, nein, residierte der Herrscher. Trotz der Größe der sehr weitläufigen Anlage wirkt diese in ihrer leichten und teilweise verspielten Architektur doch am ehesten wie ein Palast aus Tausendundeiner Nacht. Eine Besichtigung lohnt allein schon durch das Museum mit der größten Sammlung chinesischen Porzellans außerhalb von China oder dem 86-karätigen Löffeldiamanten. Aber mindestens genauso interessant sind die Gebäude, vor allem der Harem und die Schatzkammer. Wer seinen Kara Ben Nemsi gelesen hat, der kennt den sprichwörtlichen Bart des Propheten – hier kann man das Original Barthaar sowie einen Fußabdruck des Propheten bestaunen. Wer sich nicht so religiös beflügelt fühlt, kann natürlich auch die Gärten der Sultane bestaunen. Wer diese Sehenswürdigkeit erlebt hat, hat schon einiges zu sehen bekommen. Absolut unverzichtbar ist natürlich ein Besuch im Großen Basar, dem Herzen der Altstadt. Im Großen Basar gibt es, ja was eigentlich? Alles, würde ich sagen. Das Warenangebot ist überwältigend und der Besucher kann sich locker verlaufen, wenn er sich nicht an den Hinweisschildern orientiert. Insgesamt erreicht man den Großen Basar über 17 Eingangstore und die Verkaufsfläche umfasst schlappe 32.000 Quadratmeter. Es geht im Übrigen aber dennoch recht geordnet auf dem Basar zu, denn die einzelnen Gassen sind ursprünglich wie die mittelalterlichen Stände organisiert. Die verschiedenen Gewerbe bieten ihre Waren an verschiedenen Stellen an, sodass man sich aussuchen kann, wohin ich bummeln möchte. Vor allem auch von der Nase sollte man sich leiten lassen, denn der wahre Orient zeigt sich in den Gewürzen, die dort feilgeboten werden. Auch bei einem Basarbesuch ist die Nebensaison Gold wert, ansonsten kann es schon eng wie Sonntagsnachmittag auf der Wiedenbrücker Herbstkirmes werden. Klar ist natürlich auch, dass die Händler versuchen, ihre Ware an den Mann, beziehungsweise die Frau zu bringen. Im Basar gibt es kleine Teehäuser, deren Besuch ich dringend empfehlen möchte. Denn von dort kann man fasziniert beobachten, wie die Händler stets die richtige Sprache, sei es Deutsch, Russisch oder Arabisch wählen, um ihre Kunden zu ködern. Insgesamt ist für mich die größte Sehenswürdigkeit von Istanbul das Völkergemisch, das sich hier trifft. Die verschiedenen Kulturen begegnen sich in dieser Stadt wie selten anderswo auf der Welt. Modischer Chic mit Minirock und Kurzhaarfrisur trifft hier auf das Kopftuch oder auf die Burka einiger arabischer Touristen. Darum empfehle ich auch dringend, nicht nur Sehenswürdigkeiten abzuhaken und von einem Ort zu anderen zu hetzen, sondern sich einfach einmal still beobachtend irgendwo hinzusetzen, beispielsweise unter die Galata-Brücke, und dort das pulsierende Leben an sich vorbei ziehen zu lassen, denn was ist schon interessanter als andere Menschen?

61 Was vom Urlaub übrig bleibt Auf unserer Flurkommode sitzt seit dem Sommer ein Wikinger. Allerdings kein 1,90 großer, 110 Kilo schwerer, denn unser Wikinger ist knapp neun Zentimeter groß und überwiegend aus Holz. Auf seinem Schild steht »Estonia«, also Estland. Das Männlein ist ein komisches Souvenir, denn eigentlich fielen mir bei Estland nicht unbedingt die Wikinger ein, die ich nicht im Baltikum, sondern in Skandinavien verorten würde. Aber für mich ist die Geschichte dahinter, dass dieses Souvenir zeigt, dass sich die Menschen in Estland viel lieber in der Rolle der Nachfolger der wilden Nordmänner sehen, die natürlich auch in dieser Gegend anzufinden waren, so wie im gesamten Gebiet zwischen Nordamerika und Schwarzem Meer. Die Alternative wäre ja auch denkbar, nämlich sich als Erben der Sowjetunion zu begreifen, womöglich noch der Stalin-Ära, die ihre Spuren in gruseligen, großformatigen Monumenten in Tallinn und anderen Orten hinterlassen hat. Dafür steht der kleine Kerl mit dem gute Laune-Gesicht für mich auch, ebenso wie für eine schöne Erinnerung an die Baltikum-Kreuzfahrt. Man kann aber auch falsche Souvenirs mitbringen, wie die Umfrage unter mehr als 2.000 Erwachsenen in Deutschland ergab, vor allem, wenn das Souvenir ein Mitbringsel für Daheimgebliebene ist. Vor allem einige »Klassiker« kommen heutzutage schlecht an. Dazu zählen vor allem Souvenirs mit vermeintlich sexy bedruckten Spaßartikeln. Schnapsgläser, Schürzen mit aufgedrucktem Sixpack oder wahlweise Brüsten, ach so lustige Postkarten, auf denen ein Hund das Bikinihöschen herunterzieht oder ähnliches kommen bei Dreiviertel der Befragten mittlerweile ganz schlecht an. Wobei die Männer das noch lustiger als die Frauen finden. Das überrascht wohl nicht wirklich. Auch Schneekugeln, die übrigens oftmals gar nicht mal so billig sind, und Gips-Büsten sind bei 70 Prozent der Beschenkten keinesfalls ein Hit. Auch gefälschte Markenkleidung kommt nur bei etwa einem Drittel der Befragten als gutes Souvenir in Frage. Fake-Mode birgt zudem noch das Risiko, dass man beim Zoll Theater bekommen könnte. Doch auch ganz normale Kleidung aus dem Urlaubsland sowie Teppiche oder Tischdecken sind unter den Top 5 der unbeliebten Souvenirs zu finden. Umgekehrt verhält es sich mit Gaumenfreuden aus dem Urlaub. Dreiviertel der Urlauber finden diese Souvenirs gut. Zumal Lebensmittel nicht zu Staubfängern werden, denn sie sind ja zum Verzehr gedacht. Landestypisch sind sie zudem noch – obwohl sie zu Hause meist viel schlechter als im Urlaub schmecken. Ebenfalls hoch im Kurs stehen Muscheln oder Steine, die man selbst gesammelt hat. Hierbei ist jedoch Vorsicht geboten, denn viele Länder, deren Sehenswürdigkeiten über Jahrzehnte wenn nicht Jahrhunderte, geplündert worden sind, haben sehr strenge Regeln erlassen, was die Ausfuhr auch unscheinbarer Steine angeht. So haben Mosaiksteinchen schon mehr als einmal zu unliebsam verlängertem Urlaub hinter Gittern geführt. Dagegen schaden Seifen oder beispielsweise Cremes aus Olivenöl sowie Sehenswürdigkeiten im Kleinformat weder dem Geldbeutel noch dem Geschmackssinn der meisten Urlauber aus Deutschland. Souvenirs sind jedoch beileibe keine neue Erfindung der letzten Jahrzehnte. Einige Forscher sind der Meinung, dass schon in der Antike Souvenirs hergestellt und gekauft wurden, wobei offenbar der Nachweis schwierig ist. Graffiti gab es jedoch definitiv, wie Jahrtausende alte Schmierereien an den Pyramiden beweisen. Spätestens ab dem frühen Mittelalter stehen Souvenirs hoch im Kurs, wenn sie auch meist religiösen Charakter hatten. An Pilgerstätten gab es jedenfalls schon Andenken zu kaufen. Oftmals dienten die Andenken als Beweis dafür, dass man etwa das Grab des Heiligen Jakob in Santiago de Compostela Mein Wikinger aus Estland besucht hatte. Selfies konnte man damals ja noch nicht schießen. Allerdings existierte schon damals ein schwunghafter Handel nicht nur mit Reliquien (mit der gesamten Anzahl der Splitter des wahren Kreuzes könnte man vermutlich 40 Kreuze rekonstruieren), sondern auch mit Souvenirs wie der Jakobmuschel. Wenn ein deutscher Pilger sich auf den Weg machte, brauchte er nur bis Paris zu reisen, wo er reichlich Jakobsmuscheln aus Santiago und sämtliche andere Beweise erstehen konnte, ohne dass er tatsächlich die strapaziöse und gefährliche Reise in den äußersten Westen Europas, das damalige Ende der Welt sozusagen, durchführen musste. Ein solches Souvenir war also ein gutes Souvenir. Spätestens seit dem 18. Jahrhundert gab es die weltlichen Andenken, und das für immer breitere Bevölkerungsschichten. Doch zurück in die Gegenwart. Heute, wo die allerwenigsten wie die Aristokratie des 18. Jahrhunderts mit dem gesamten Hausstand durch die Weltgeschichte reisen, spielen praktische Erwägungen durchaus auch eine Rolle. Schließlich muss man auch an die Weiter- und Heimreise denken. Vor allem, wenn man einen Flug und die entsprechende Ge- WINTERZAUBER Advents- und Weihnachtsausstellung Auch in diesem Jahr laden wir Sie zur großen Advents- und Weihnachtsausstellung ins „Lind Hotel“ ein, das an diesem Tag in weihnachtlichem Glanz erstrahlt. Ausgewählte Dekorationen, Accessoires und exklusive Geschenkartikel warten auf Sie. Auch für Ihr leibliches Wohl ist gesorgt. am 29. November von 11:00 bis 18:00 Uhr S I L V E S T E R in der Skybar. Eine Premiere der besonderen Art Unsere Skylobby verwandelt sich zum Jahreswechsel erstmalig in eine Skybar mit gemütlicher und exklusiver Atmosphäre. Exotische Cocktails, Longdrinks und vieles mehr erwartet Sie. Unser Barteam freut sich auf Ihre Reservierung. ab 21:00 Uhr Tel. 0 52 44 /700 100 www.lind-hotel.de

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