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Das Stadtgespräch Dezember 2015

Das Magazin für Rheda-Wiedenbrück

36 Das

36 Das Stadtgespräch BRACHUM KUNSTPREIS Viel Lob – aber auch sehr viel Kritik Wochenlang wurde an der Baustelle am neuen Radweg gearbeitet. Was da genau gebaut wurde, blieb jedoch, von Planen gut geschützt, im Verborgenen. Seit der Lüftung des Geheimnisses vor einigen Wochen im Beisein seines Schöpfers, dem Düsseldorfer Künstler Christian Odzuck, steht der Pavillon, wie das Kunstwerk genannt wird, im Fokus vieler Gespräche von Passanten auf dem neuen Radweg entlang der Natur-Ems. Auch in den sozialen Medien wird es heiß diskutiert. Odzuck bekam als erster Künstler den Brachum Kunstpreis der Stadt Rheda-Wiedenbrück, den diese mit Unterstützung der Regionalen Kulturstiftung initiiert hatte, verliehen. Die Errichtung eines Kunstwerkes im öffentlichen Raum war untrennbar mit dem Preis verbunden. Der Künstler ließ sich dabei von seinen in der Doppelstadt gewonnenen Eindrücken inspirieren. Die Arbeit des Künstlers vor Ort stieß nicht nur auf Interesse, sondern auch auf große Unterstützung. Viele heimische Firmen engagierten sich. Sie stellten ihre Arbeitskraft, ihr Know-how oder wichtiges Material zur Verfügung. Es entstand eine beeindruckende Skulptur, die schon heute in Kunstkreisen für Aufmerksamkeit sorgt und viele Menschen bis weit über die Stadtgrenzen hinaus begeistert. Die Verantwortlichen bei der Flora Westfalica und in der Stadt danken dem Künstler und allen Menschen, Firmen und Institutionen, die halfen, dass dieses Kunstwerk Gestalt annehmen konnte. Sie verbinden damit zugleich die Hoffnung, dass ebenfalls der zweite Brachum Kunstpreis diese positive Begleitung finden wird. Odzucks Installation vermittelt wie jedes Kunstwerk Metaphern, die Der Düsseldorfer Künstler Christian Odzuck mit einem Entwurf seiner Installation. zu deuten sind. Deshalb kann man dazu nie etwas sagen, was nicht in irgendeiner Weise »irgendwie« richtig ist, und natürlich auch gar nichts, was nicht in irgendeiner Weise »irgendwie« falsch ist. Odzuck selber weiß davon. Vor der Kulisse des kleinen Volksfestes zur offiziellen Enthüllung der Skulptur sah er voraus, dass seine Arbeit nicht nur Beifall finden wird, sondern auch kritische Kommentare die Runde machen werden. Das liegt in der Natur der Kunst. Die Auffassungen über das, was Kunst ist und wie sie sein sollte, sind von Grund auf gegensätzlich. In diesem Sinne ist der Dialog über Odzucks Schaffen zwangsläufig prekär, und, nun ja, für seine Fans in gewisser Weise tragisch: Einen Ansturm der Kritik hatten sie wohl nicht erwartet. Ihnen erscheint die aufgekommene fundamentale Kritik an »Odzucks success story« fast schon als unhippe »Spielverderberei«. KÜBLER Strickjacke - Stricklook in neuem Materialmix - 2 Seitentaschen mit Reißverschluss - weitenverstellbarer Jackensaum mit Gummikordel - verlängerter Rücken für optimalen Wind- und Wetterschutz - weitenverstellbare Kapuze - Größen S bis 3 XL €79. 00 €3. 95 €69. 90 TOWA Handschuhe PowerGrab THERMO - die ultimativen Kälteschutzhandschuhe - Strickhandschuhe mit Winterfutter - griffige Beschichtung aus Latex - super soft und geschmeidig - Größen S/7 bis XXL/11 Wärmstens zu empfehlen KILLTEC Softshell-Jacke RAGS - sportliche Softshelljacke - abzipbare Kapuze - viele praktische Taschen - hoher Kragen - wasserdicht, winddicht, atmungsaktiv - Größen M bis XXL - solange Vorrat reicht €100. 00 FISKARS Gartenschere P 68 - Bypass-Astschere für Mehrzweck-Nutzung - einstellbare Ausschnitt-Blende €19. 90 - für Äste bis 24 mm Durchmesser - Länge: 208 mm - Gewicht: 192 g Auf über 750 qm alles für den Profi. KS-Tools Werkzeugkoffer 911.0771 - Qualitätswerkzeug - 1/4" + 3/8" + 1/2" - 170-teilig Josef Strohmeier GmbH | Pilgerpatt 10 | 33378 Rheda-Wiedenbrück | Tel. 05242 / 92630 | Fax 05242 / 926320 | www.strohmeiergmbh.de

37 Bei der offiziellen Einweihung der Skulptur war die Freude über das Kunstwerk einhellig. Die Schar der so genannten »Spielverderber« ist wesentlich größer als die Zahl der positiven Kommentatoren. Beispielsweise schrieb der Ortsheimatpfleger Christoph Beilmann u. a. über Odzucks Installation in Facebook: »Über Kunst lässt sich streiten: (Das ist wohl die) Zweigstelle des Rhedaer Rathauses. Zurzeit unbesetzt. Jetzt fehlt außen noch die Kletterwand und innen eine Treppe, die zum Aussichtspodest führt. Ich will auch so einen Preis. Sehe ich nicht schon kunstvoll aus.«, scherzt der Verfasser. Andreas Beilmann kommentierte den Eintrag: »Sag noch einer das Rhedaer Rathaus sei ein hässlicher Betonklotz…« Andere Kommentare lauten: »Steht hier die in Beton gegossene Kritik an das Rathaus?« oder: »Wurde hier der Fluch Rhedas wahr?« Andere Fragen lauteten: »Ist das Reklame für das Betonwerk?«, »Ist das schon fertig?«, »Warum wurde der Bauzaun zu früh beseitigt?« und »Wieso wurde das Dach vergessen?«, »Wann wird der Kiosk eröffnet?« und »Wo ist das Nette an dem Kunstwerk?« oder »Soll das stehen bleiben?«. Ein anderer postete via Facebook: »Ich habe hier Einkaufstüten und kann was daraus zaubern. Vielleicht habe ich einen Geistesblitz. Und alle finden ihn ganz toll. Wo kann ich mich bewerben?« Wie schon das Rathaus selber ist nun auch der Pavillon Odzucks eine Steilvorlage für Satire, Witz, Spott und Kalauer sowie karnevalistische Büttenrede und beim Rosenmontagswagenbau. Für Graffiti-Künstler ist das Betongrau ein Betätigungsparadies. Die Wurzeln für die breite Kritik liegen wohl im Entwicklungsprozess des Kunstwerkes. Als Odzuck im vergangenen Jahr bei der Verleihung des Brachum-Kunstpreises gefragt wurde, was ihn am meisten auf der ersten Tour durch Rheda- Wiedenbrück beeindruckt hätte, antwortete der 36-Jährige, dass ihn das Rathaus interessiere. Der erste Eindruck blieb offensichtlich die seinen Schöpfungsprozess bestimmende Inspiration. Er wusste aber wahrscheinlich nicht, dass dieses Bauwerk seit seiner Entstehung vor über 40 Jahren im heftigsten Kreuzfeuer der Kritik der Rheda-Wiedenbrücker steht. Der kleine Wiedenbrücker Bruder des großen Betonklotzes in Rheda bekommt nun das kolossale Fuder dieser Kritik mit ab. Die beiden Betonbauten sind sich in ihrer Wahrnehmung einfach zu ähnlich. Nur Christos Verhüllung der Installation könnte diese Kritik zum Verstummen bringen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob der Düsseldorfer Künstler heute noch einmal demselben Schöpfungsprozess Gestalt geben würde? Die Einsicht, dass Kunst letztlich gut ist, gerade so, wie sie ist, weil alles andere, das Alltagsdesign oder der Mainstream-Geschmack die Kunst nur als »Beute« glänzen lassen, wird in diesem Fall nicht eine Versöhnung mit Odzucks Installation herbei führen. Die Front der Ablehnung ist zu groß und fundamental. Raimund Kemper S

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